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Regierungsberater machen Vorschläge gegen hohe Lebensmittelpreise

Fleisch und Wurst im Supermarkt, über dts Nachrichtenagentur

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Naturschutzverbände haben in einem Beratungsgremium von Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) erste Vorschläge gemacht, was die Bundesregierung gegen steigende Lebensmittelpreise tun kann. Wie „Business Insider“ berichtet, kursieren in der Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) Ideen, die vor allem auf mehr freie Flächen zum Anbau von Lebens- anstatt Futtermitteln zielen.

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Die Naturschutzverbände schlagen Özdemir demnach vor, den Fleischkonsum und die Tierbestände zu senken, um Flächen für die Lebensmittelproduktion zurückzugewinnen, die bislang zum Anbau für Futtermittel genutzt wurden. Im Schnitt aß jeder Bundesbürger im vergangenen Jahr 55 Kilo Fleisch – das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Berechnungen im Jahr 1989. Und der Konsum dürfte weiter abnehmen, wenn es nach den Naturschutzverbänden geht: Denn Fleisch soll künftig teurer werden und Gemüse und Hülsenfrüchte wie Linsen und Erbsen billiger. Über die Vorschläge der verschiedenen Verbände soll noch in dieser Woche in der ZKL beraten werden.

Konkret heißt es zu den Vorschlägen, dass der Bund beispielsweise für weniger Fleischkonsum eine Abgabe auf tierische Lebensmittel einführen könnte. Eine andere Möglichkeit wäre, die Mehrwertsteuer auf Fleisch von aktuell sieben Prozent auf 19 Prozent anzuheben. Zeitgleich wollen die Naturschutzverbände dabei auch einkommensschwache Haushalte entlasten: „Die Politik muss diese Gruppe gezielt unterstützen“, heißt es laut „Business Insider“ aus Kreisen der Naturschutzverbände. Sonst riskiere man Ernährungsarmut mit ihren zum Teil lebenslangen gesundheitlichen Folgen.

Daher empfehlen die Verbände eine Mehrwertsteuersenkung auf Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte, um eine gesunde und nachhaltige Ernährung für alle Verbraucher zu erleichtern. Das übergeordnete Ziel der Vorschläge soll dabei sein, den Fokus der Landwirtschaft künftig mehr auf die Produktion von Lebensmitteln auszurichten. Denn aktuell würden nur etwa ein Drittel der Ackerflächen für die Produktion von Lebensmitteln genutzt werden, heißt es in den Vorschlägen der Naturschutzverbände. Demgegenüber stünden aber rund 35 Prozent der Flächen, die auf die Produktion von Futtermitteln für Tiere entfallen würden.

Das heißt: Je weniger Tiere es in Deutschland in der Landwirtschaft gebe, desto mehr Flächen könnten für Lebens- statt Futtermittel verwendet werden. In der sogenannten Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) sitzen 31 Mitglieder, darunter Natur- und Tierschützer, sowie Bauernvertreter. Hauptauftrag des Gremiums war es bislang, neue Ansätze in der Agrarpolitik für Özdemirs Ministerium zu erarbeiten.

Foto: Fleisch und Wurst im Supermarkt, über dts Nachrichtenagentur

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1 Kommentar

  1. W. Lorenzen-Pranger
    5. April 2022 um 23.29

    Ich kann mich gut an die 50-er und frühen 60-er erinnern. Fleisch gabs wahrhaft nicht alle Tage, dafür aber eine Vielfalt von Eier-Gerichten, auch als Pfannkuchen, meistens mit weißem Zucker zum stippen. „Großer Hans“ oder „Mehlbeutel“ waren schon „Festessen“, die ich ganz gern mochte. Die ganz harte Nummer war „Arme Ritter“. Obstsuppen habe ich schon lange nirgends mehr gesehen, waren aber damals in meiner Familie sehr beliebt. Zum Abendessen Buchweizengrütze mit Milch, statt Wurst- und Käsebrote. Wurst und Käse gabs nur Sonntags.
    Eisbein, Schnuten und Poten usw. gabs, wenn schon Fleisch, auch öfter mal. Schwarzsauer mochte ich nie. Warum? Kann man aber mit ner Suchmaschine noch finden – ist, Gott sei Dank, aber eh schon fast vergessen.
    Braten gabs an Festtagen, sonst eigentlich nie – und das alles während der sogenannten „Fresswelle“ ab der späten 50-er.
    KANN man alles machen, aber Kindheitserinnerungen verklären auch immer etwas, und heutige Gewohnheiten zu ändern ist auch nicht ganz so einfach… 🙂