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Psychiater attestiert Tobias R. paranoide Schizophrenie

Klinik für Psychiatrie, über dts Nachrichtenagentur

Hanau (dts Nachrichtenagentur) – Der forensische Psychiater und Buch-Autor Thomas Stompe attestiert dem mutmaßlichen Hanau-Attentäter Tobias R. eine paranoide Schizophrenie und eine narzisstische Persönlichkeitsstörung. „Nach dem, was man über das sogenannte Manifest weiß, hat sich Tobias R. persönlich von Geheimdiensten bedroht und verfolgt gefühlt“, sagte Stompe dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Samstagausgaben). „Das deutet auf eine schwere psychotische Erkrankung hin“, sagte Stompe, der Autor des Buchs „Vom Wahn zur Tat“ ist.

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Nach Ansicht des Facharztes für Psychiatrie und Neurologie ist nicht ausgeschlossen, dass der Hanau-Attentäter trotz seiner psychischen Erkrankung voll schuldfähig gewesen wäre. „Menschen mit Persönlichkeitsstörungen sind für gewöhnlich schuldfähig, während man bei einer Schizophrenie davon ausgeht, dass es sich um eine psychische Erkrankung handelt, die mit einer Schulunfähigkeit einhergeht.“ Seiner Ansicht nach hätte es dann einen „langen Abwägungsprozess und einander widersprechenden Gutachten“ ähnlich wie 2011 im Fall des norwegischen Rechtsterroristen und Attentäters Anders Breivik gegeben. Der Täter hatte sich allerdings nach der Tat erschossen, so dass es zu keiner Anklage kommen wird. „Den Nährboden für Ausländerhass und rechtsextreme Ideologien haben die AfD und andere Gruppierungen bereitet“, sagte Stompe weiter. Rechtsextreme Ideologien spielten eine entscheidende Rolle. Sie würden „von einem offenbar psychisch schwer kranken Menschen aufgegriffen und mit seiner persönlichen biografischen Problematik verwoben“.

Foto: Klinik für Psychiatrie, über dts Nachrichtenagentur

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3 Kommentare

  1. schurli
    23. Februar 2020 um 11.54

    Was steht hier an erster Stelle, herr Psychiater: Expertise oder Ideologie?

  2. Walter Neuschitzer
    26. Februar 2020 um 10.22

    Einander widersprechende Gutachten sind typisch für die Psychiatrie. Wo nicht Wissenschaft, sondern Willkürlichkeit herrscht, sind dem Prinzip „Wes‘ Brot ich ess‘, des‘ Lied ich sing'“ keine Grenzen gesetzt.

  3. Erhard Stammberger
    26. Februar 2020 um 16.50

    Ohne den Patienten persönlich begutachtet zu haben, kann gar kein Psychiater eine fundierte Diagnose treffen, allenfalls Vermutungen.

    Tatsache ist aber: Eine Krankheit ist kein Mordmotiv, Rassismus aber sehr wohl. Und selbst die AfD hält die Morde ja inzwoschen für eine rassistische Tat.