Nachrichten

Produktionspanne könnte Lieferungen von Johnson & Johnson gefährden

Leere Kabine in einem Impfzentrum, über dts Nachrichtenagentur

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Die versehentliche Kontamination von 15 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffs von Johnson & Johnson (J&J) könnte die Impfkampagne der EU weiter ausbremsen. Das berichtet der „Spiegel“.

Anzeige

Eine Sprecherin der J&J-Tochter Janssen, die in den Niederlanden die Impfstoffsubstanz herstellt, sagte dem Nachrichtenmagazin: „Wir gehen derzeit weiter davon aus, dass wir unsere Zusage einhalten können, der Europäischen Kommission und den Mitgliedstaaten im Jahr 2021 200 Millionen Dosen zu liefern.“ Doch auf wiederholte Frage, ob die bis Ende Juni mit der EU vereinbarte Lieferung von 55 Millionen Dosen kommen werde, erwiderte sie nur, einzelne Mengen nicht öffentlich zu kommentieren. Vergangene Woche hatte der US-Pharmakonzern bekannt gegeben, dass Millionen Dosen Impfstoff nach einer Panne in einem US-Werk für unbrauchbar erklärt werden mussten. Unklar ist, ob nun Ersatz aus den Niederlanden geliefert wird – und die Abnehmer in Europa das Nachsehen haben.

Nach Recherchen des „Spiegel“ stammt ein Großteil oder sogar die gesamte Substanz des bislang in den USA verimpften J&J-Impfstoffs aus einer Janssen-Fabrik im niederländischen Leiden. In den Vereinigten Staaten wird der Wirkstoff schon seit Anfang März millionenfach verabreicht. Die EU hingegen hat noch nicht eine einzige Dosis von J&J bekommen, obwohl sie das Mittel bereits am 11. März zugelassen hat. Bis vor Kurzem wurde die niederländische Impfstoff-Substanz ausschließlich in den USA abgefüllt – und von dort offensichtlich nicht mehr nach Europa zurück gelassen.

Die USA hätten „jeden Export blockiert“, sagte Thierry Breton, EU-Binnenmarktkommissar und Leiter der Brüsseler Impfstoff-Taskforce, dem „Spiegel“. Trotz der Produktionspanne gibt sich die EU-Kommission optimistisch, dass Johnson & Johnson seine Lieferverpflichtungen erfüllen wird. J&J habe zuletzt mehrere Partnerschaften mit europäischen Unternehmen geschlossen, um die Abfüllung und Fertigstellung des Impfstoffs vor Ort sicherzustellen, sagte eine Kommissionssprecherin dem „Spiegel“. Sie sei „zuversichtlich, dass Johnson & Johnson die Kapazität hat, im zweiten Quartal die angekündigten 55 Millionen Dosen zu liefern“.

Foto: Leere Kabine in einem Impfzentrum, über dts Nachrichtenagentur

Vorheriger Artikel

Söder und Laschet wollen Kanzlerkandidat werden

Nächster Artikel

Kretschmer sieht Gesprächsbedarf beim Infektionsschutzgesetz