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Özdemir kritisiert „Stammbaum“-Idee der Stuttgarter Polizei

Cem Özdemir, über dts Nachrichtenagentur

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Der frühere Grünen-Chef Cem Özdemir hat den Vorschlag der Stuttgarter Polizei, die Abstammung von Tatverdächtigen der gewalttätigen Ausschreitungen in der baden-württembergischen Landeshauptstadt zu untersuchen, als grotesk zurückgewiesen. „Mir fehlen immer noch die Worte. Der Polizeipräsident sollte schnell eingestehen, dass er keinen guten Tag hatte, als der den skurrilen Vorschlag gemacht hat und ihn sofort aus der Welt schaffen“, sagte Özdemir den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Montagsausgaben).

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„Jeder darf gerne Stammbaum-Forschung über die eigenen Vorfahren in der Freizeit betreiben, aber zu den Aufgaben der Polizei gehört es in Deutschland aus guten Gründen nicht mehr.“ Er frage sich, was die Polizei mit einer Stammbuch-Untersuchung bezwecken wolle: „Wie weit soll denn die Stammbaum-Analyse zurückgehen? Wären die Ruhrgebiets-Polen dann noch immer Ausländer? In Baden-Württemberg haben wir auch Nachfahren der Hugenotten und Waldenser.“ Der Stammbaum-Vorschlag gehöre zu den Dingen, „die den türkischen oder kroatischen Nationalisten oder Islamisten die Jugendlichen in Scharen in die Arme treiben“. Özdemir sagte, es sei zum Verzweifeln, wenn Identitätspolitiker immer nur auf Herkunft, Blut und Religion schauten statt auf gemeinsame Werte und die Verfassung. „Ich dachte eigentlich, wir sind weiter.“

Foto: Cem Özdemir, über dts Nachrichtenagentur

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