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Kretschmann fürchtet Zerfall Europas

Winfried Kretschmann, über dts Nachrichtenagentur

Stuttgart (dts Nachrichtenagentur) – Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat angesichts des Neins der Bundesregierung zu Corona-Bonds eindringlich vor einem Ende der Solidarität in Europa gewarnt. „Ich bin höchst irritiert, dass jetzt die Euro-Bond-Debatten aus anderen Zeiten einfach wiederholt werden“, sagte Kretschmann der „Süddeutschen Zeitung“ (Wochenendausgabe). Es sei schlicht nicht die Zeit, „alte Schuldendebatten noch einmal zu führen“, so der Grünen-Politiker weiter.

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Wenn jetzt mit Italien ein ganzes Land, „ein EU-Gründungsland“, durch das Virus in schweres Fahrwasser gerate, müsse „ganz anders gedacht werden“. Baden-Württembergs Ministerpräsident fürchtet, dass der Verlust an europäischer Solidarität zu den verheerendsten Folgen der Krise gehören könnte. „Das ist eine große Sorge von mir, vielleicht ist es meine größte überhaupt in dieser Krise“, sagte Kretschmann. Gerade dort, „wo wir uns am nötigsten bräuchten“, setzten die nationalen Reflexe wieder ein. In der Krise komme ein „archaisches Moment“ hoch: „Dass uns die eigenen Kinder näher sind als die der anderen“, so der Grünen-Politiker weiter. Erstmal sei das ganz natürlich. Aber Zivilisation bedeute, genau das zu überwinden. Außerdem gehöre es zu den zentralen Aussagen des Christentums, „dass der Fremde auch mein Nächster ist“. Gerade in der Not und in der Krise sei das wichtig. „Da sehen wir nicht gut aus“, sagte der baden-württembergische Ministerpräsident der „Süddeutschen Zeitung“. Ihn habe der Auftritt des italienischen Regierungschefs Guiseppe Conti sehr berührt. Dieser hatte Deutschland Mitte dieser Woche in der ARD um mehr Solidarität gebeten, auch beim Thema Corona-Bonds. Kretschmann kündigte an, er wolle mit seiner Kritik an Deutschlands Position im Streit um Corona-Bonds auch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vorstellig werden.

Foto: Winfried Kretschmann, über dts Nachrichtenagentur

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1 Kommentar

  1. Fler
    3. April 2020 um 21.41

    Ich fürchte 2 Sachen r2g und den Fortbestand der EU