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IfW-Chef sieht Lieferkettengesetz kritisch

Container, über dts Nachrichtenagentur

Kiel (dts Nachrichtenagentur) – Der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel, Gabriel Felbermayr, sieht das von der Bundesregierung geplante Lieferkettengesetz kritisch. Diese könnte den Menschen in der Zulieferindustrie mehr schaden als nützen, sagte Felbermayr der Wochenzeitung „Die Zeit“. So hätten Studien in der Vergangenheit gezeigt, dass Kampagnen gegen Kinderarbeit oft nur vordergründig erfolgreich seien.

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„Die Kinder arbeiteten dann nicht mehr in den Fabriken, aber dafür irgendwo im informellen Sektor, manche sogar auf dem Straßenstrich“, so Felbermayr. Auch das jetzt geplante Gesetz könne solche Nebenwirkungen haben: Wenn deutsche Firmen sich aus einer Region zurückzögen, weil sie dort Verstöße gegen Menschenrechte befürchteten, könnten chinesische Auftraggeber in den Zulieferbetrieben ihren Platz einnehmen. „Dann verschlechtert sich die Lage der Arbeiter möglicherweise“, so Felbermayr. Das Gesetz sei nicht zu Ende gedacht, kritisierte der Ökonom. Es sei ein „Gutes-Gewissen-Gesetz“. Die Bundesregierung will mit dem Lieferkettengesetz Unternehmen dazu verpflichten, über ihre gesamte Lieferkette hinweg auf die Einhaltung der Menschenrechte zu achten. Viele Firmen geben an, dies heute schon zu tun. Doch dabei geht es offenbar häufig nicht mit rechten Dingen zu, wie Julia Thimm, Head of Human Rights bei Tchibo, berichtet. „Viele Firmen wollen heute vor allem eine Bescheinigung, dass alles in Ordnung ist. Deshalb wird bei Audits und Zertifizierungen viel geschummelt und verschleiert“, sagte sie der „Zeit“. Nach Thimms Erfahrung helfen dagegen auch keine unangekündigten Kontrollbesuche: „So ein Werksgelände ist oft riesig. Wenn Sie sich da am Tor anmelden und in die Besucherliste eintragen, bleibt genug Zeit, um über Lautsprecher eine kleine Melodie zu spielen, und alle wissen: Es ist wieder ein Kontrolleur da.“ Felbermayr empfiehlt, über staatliche Handelsabkommen und Zölle auf die Menschenrechtspolitik in anderen Ländern Einfluss zu nehmen. Das sei wirkungsvoller als das geplante deutsche Gesetz.

Foto: Container, über dts Nachrichtenagentur

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