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Haseloff: Ostdeutsche kommen besser mit Corona-Krise zurecht

Reiner Haseloff, über dts Nachrichtenagentur

Magdeburg (dts Nachrichtenagentur) – Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sieht Ostdeutsche in der Corona-Krise besser gewappnet als Westdeutsche. Ältere Ostdeutsche seien „sturmerprobt, was Ausnahmesituationen betrifft“, sagte Haseloff der „Welt“ (Mittwochsausgabe). Die Erfahrung, dass im Leben „nicht immer alles glatt“ laufe und man auf Schwierigkeiten „am besten mit Ruhe und Gelassenheit“ reagiere, „haben wir hier gemacht“, so der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt weiter.

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Die Fähigkeit zur Improvisation sei im Osten stärker ausgeprägt als im Westen. „Und die Erfahrung, dass man harte Phasen überstehen kann. Wir haben hier viele Hochs und Tiefs erlebt. Und viele Krisen bewältigt“, so der CDU-Politiker. Die Tatsache, dass Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern die bisher niedrigsten Infizierungsraten hätten, spiegele auch das Individualverhalten wider: „Skiurlaub in Österreich oder Südtirol ist bei Ostdeutschen nicht so verbreitet. Das liegt auch an den geringeren finanziellen Möglichkeiten“, sagte Haseloff. Der ländliche Raum, der im Osten viele Probleme habe, sei nun ausnahmsweise im Vorteil. „Die Ausbreitung geht dort deutlich langsamer vonstatten als in Ballungszentren wie Hamburg oder Berlin. Und natürlich gibt es auch in Kleinstädten weniger Clubs, die ja in den Metropolen richtige Infizierungszentren waren“, so der CDU-Politiker weiter. Es gebe im Osten auch weniger Verstöße gegen die Kontaktbeschränkungen als im Westen. „Bis auf ganz wenige Ausnahmen ist die Disziplin bei uns hoch“, so Sachsen-Anhalts Ministerpräsident. Staatliche Autorität werde „auf dem Gebiet der ehemaligen DDR offenbar stärker akzeptiert als im Westen“. In der „alten Bundesrepublik“ würden die Individualrechte „aus gutem Grund immer hochgehalten und auch stark gelebt. Aber im Moment dienen die Freiheitsbeschränkungen ja der Rettung von Menschenleben. Diese kollektive Botschaft ist im Osten angekommen, weil sie vernunftgemäß nachvollziehbar ist“, sagte Haseloff der „Welt“. Die Krise zwinge den Deutschen sehr grundsätzliche Fragen auf. Im Moment werde die Gesellschaft von Menschen getragen, die zu den unteren Einkommensgruppen gehören. „Pfleger und Krankenschwestern kämpfen an vorderster Front gegen die Pandemie, bei einem hohen persönlichen Risiko. Dies geht im Gesundheitswesen so nicht weiter“, so der CDU-Politiker weiter. Wer systemrelevant sei, „sollte auch relevant verdienen. Wir müssen über eine neue Formatierung der Gehaltsstrukturen reden.“

Foto: Reiner Haseloff, über dts Nachrichtenagentur

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2 Kommentare

  1. W. Lorenzen-Pranger
    31. März 2020 um 20.54

    Quatsch, Herr Haseloff. Die Treuhand hat alles, was industriell interessant war und den West-Betrieben eventuell Konkurrenz machen konnte, platt gemacht. Jetzt gibts kaum Gründe, einen regen Austausch zu pflegen weil ja nix mehr zu erwirtschaften ist – und wo nix ist, da fährt auch keiner hin – und wer noch da ist, hat keine Mittel um weg zu fahren.
    Außerdem sind die Unis, die einzigen Orte an denen auch „Wessis“ vermehrt verkehren, mit Beginn der Ferien dicht. Da ist auch noch keiner zurück der was einschleppen könnte.
    Oder, für Leute, die mehr auf Kurzzeitgedächtnis programmiert sind: Pegida, AfD und Co. schützen immerhin vor Viren. Selbst die wollen mit euch nichts zu tun haben. 😉

  2. HP Petrick
    1. April 2020 um 0.32

    Ministerpräsident Haseloff hat den Nagel auf den Kopf getroffen, seine Begründungen sind nachvollziehbar.
    Leider hat W.Lorenzen-Pranger offensichtlich falsche Vorstellungen vom Austausch an Waren, Beratungs- und Dienstleistungen auf dem Territorium des Beitrittsgebietes mit den sogenannten alten Bundesländern und europäischen und anderen Ländern. Der Transitverkehr durch Deutschland bewegt sich genauso durch Ost- und Westdeutschland.
    Den Unterschied macht die aufgrund höherer Einkommen, realitätsferner Einstellung zum Individualismus, unzeitgemäßem Besitzstandsdenken, unbegründetem Überlegenheitsgefühl, dem weitverbreiteten Hang zur Spaßgesellschaft und der mangelhaften Akzeptanz staatlicher Autoritäten in WESTDEUTSCHLAND, insbesondere im Freistaat Bayern, in Baden-Wüttemberg, in Hamburg und in Nordrhein-Westfalen.
    In den ostdeutschen Bundesländern ist auch die gelebte natürliche Solidarität untereinander und auch das Verständnis für Ausnahmesituationen sowie der intelligente Umgang damit besser ausgeprägt. Das kann ich aus Brandenburg ebenfalls bestätigen.