EZB-Direktorin hält weitere Zinssenkung für möglich

EZB, über dts Nachrichtenagentur

Frankfurt/Main (dts Nachrichtenagentur) – Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte auf ihrer nächsten Sitzung im Dezember als Antwort auf die andauernde Coronakrise die Zinsen senken. „Unsere Analysen zeigen, dass eine weitere Senkung möglich wäre, ohne an den Punkt zu gelangen, an dem sie nicht mehr wirkt oder sogar schadet“, sagte die deutsche EZB-Direktorin Isabel Schnabel dem „Handelsblatt“ (Mittwochausgabe). Eine Vorentscheidung sei zwar noch nicht gefallen, aber die wirtschaftliche Situation sei inzwischen eine andere als noch im März, so Schnabel.

Damals sei es oberstes Ziel gewesen, die Finanzmärkte zu stabilisieren. Jetzt gehe es darum sicherzustellen, dass die Banken ihre Kreditstandards nicht zu sehr verschärften: „Das beobachten wir genau. Der wirtschaftliche Abschwung darf durch den Bankensektor nicht noch verschärft werden“, sagte die deutsche EZB-Direktorin. Die Notenbank hatte auf ihrer Ratssitzung in der vergangenen Woche beschlossen, den Einsatz ihrer geldpolitischen Mittel zu überprüfen und eine weitere Lockerung in Aussicht gestellt. Bisher verzichtete die EZB in diesem Jahr trotz der Corona-Pandemie auf eine weitere Zinssenkung. Das wichtigste Instrument der EZB ist ihr Notprogramm PEPP, das als temporäre Reaktion auf die Coronakrise vorgesehen ist und Anleihekäufe im Umfang von 1,35 Billionen Euro umfasst. Schnabel hob hervor, dass die Inflation durch die Krise auch langfristig niedriger ausfallen könnte. Dennoch sei eine klare zeitliche Begrenzung des PEPP-Programms nötig. „Nach der Krise müssen wir irgendwann auf unser normales Instrumentarium zurückgreifen.“ Sollte die Krise die Inflation längere Zeit drücken, ist sie aber offen, dies bei der Reinvestitionsphase des Programms zu berücksichtigen. Nach der Nettokaufphase, in der die EZB zusätzliche Anleihen kauft, folgt eine Reinvestitionsphase, in der sie den Anleihebestand konstant hält, indem sie auslaufende Papiere ersetzt. Über eine Übertragung der Flexibilität von PEPP auf andere Programme habe der EZB-Rat bisher nicht diskutiert.

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Foto: EZB, über dts Nachrichtenagentur

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