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Daniel Kehlmann: Memoiren von Woody Allen müssen erscheinen dürfen

Bücher in einem Buchladen, über dts Nachrichtenagentur

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Schriftsteller Daniel Kehlmann hat sich in der Debatte um die Veröffentlichung der Memoiren von Woody Allen für die geplante Publikation im Rowohlt-Verlag ausgesprochen. „Woody Allen ist der bedeutendste jüdische Filmregisseur der Nachkriegszeit; möchte man wirklich ausgerechnet seinem Buch hierzulande das Erscheinen untersagen?“, schreibt Kehlmann in einem Gastbeitrag für die Wochenzeitung „Die Zeit“. Kehlmann bezweifelt die Missbrauchsvorwürfe gegen Allen.

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Die Ankündigung des Rowohlt-Verlags, Allens Buch publizieren zu wollen, hatte jüngst für Aufregung gesorgt. 16 Autoren des Verlags, darunter Margarete Stokowski und Sascha Lobo, sprechen sich in einem offenen Brief gegen die geplante Veröffentlichung aus, die in den USA nach Protesten bereits abgesagt wurde. Rowohlt-Autor Kehlmann kritisierte den Protest seiner Kollegen. Es gebe „ein genuines öffentliches Interesse“, diese Memoiren lesen zu können. Die Rowohlt-Autorin Kathrin Passig, die den offenen Brief auch unterzeichnete, widersprach Kehlmann. „Im Kontext der Diskussionen der letzten Jahre lässt sich die Entscheidung für Allen kaum anders lesen als `So, jetzt ist die Weinstein-Mode aber mal vorbei, zurück zur Tagesordnung`, und das finde ich falsch.“

Foto: Bücher in einem Buchladen, über dts Nachrichtenagentur

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1 Kommentar

  1. W. Lorenzen-Pranger
    11. März 2020 um 17.01

    Wie sich die Zeiten ändern. Jean Genet, auch bei Rowohlt, wurde seinerzeit von den Existentialisten gefördert – „Wegen verschiedener Delikte wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt; 1948 erwirkten mehrere Schriftsteller, darunter Sartre und Cocteau, seine Begnadigung“ – steht in der Wikipedia. Und heute feindet man einen mindestens ebenso wichtigen Künstler an. Genet durfte noch vom „heiligen Mörder“ schreiben. („Das kriminelle Kind“). Genet ist nur einer von vielen, die nicht in ein Spiesser-Schema passten.
    Die Prüderie, ja die Bigotterie, greift immer weiter um sich – und die Freiheit der Kunst ist dank rechter Kreise in Gefahr.
    Natürlich müssen Allens Erinnerungen erscheinen – sonst können wir irgendwann den Laden bald endgültig dicht machen…