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Bericht: Norddeutsche Intensivstationen dauerhaft überlastet

Krankenhausflur, über dts Nachrichtenagentur

Hamburg (dts Nachrichtenagentur) – Fehlendes Pflegepersonal auf Intensivstationen führt offenbar zunehmend zu Engpässen bei der Notfallversorgung in norddeutschen Kliniken. Das berichtet das NDR-Politikmagazin „Panorama 3“ unter Berufung auf ein internes Kommunikationssystem zwischen Rettungsleitstellen und Kliniken in Niedersachsen und Bremen für den Zeitraum zwischen August 2019 und Januar 2020. Darüber melden sich Stationen ab, wenn sie keine Patienten mehr aufnehmen können. So sollen Rettungswagen gezielt zu Krankenhäusern mit freien Kapazitäten gelenkt werden.

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Die sieben Kliniken der Stadt Bremen zusammengenommen hatten laut „Panorama 3“ in dem Zeitraum eine Abmeldequote für die Intensivstationen von 66 Prozent. Auch in der Region Hannover habe sich die Situation verschlechtert. So lag hier die Abmeldequote für die chirurgischen Intensivbetten bei inzwischen 32 Prozent, im Bereich der internistischen Intensivbetten bei zusammengerechnet 53 Prozent der Gesamtzeit. In einer vergleichbaren Analyse aus dem Jahr 2018 waren die Zahlen laut Bericht noch niedriger. Für die Intensivstationen in Bremen hatte es damals demnach eine Abmeldequote von knapp 50 Prozent gegeben. In der Region Hannover lag die Abmeldequote für die chirurgischen Intensivstationen im selben Zeitraum bei rund einem Viertel, im Bereich der internistischen Intensivstationen bei zusammengerechnet über 40 Prozent der Gesamtzeit. Offenbar sind einige Intensivstationen dauerhaft überlastet. So meldeten sich in Bremen an mehr als jedem dritten Tag alle Intensivbereiche der Kliniken gleichzeitig ab. An elf Tagen sogar länger als acht Stunden. In dem Auswertungszeitraum hatten sich an einem Tag alle Kliniken sogar 20 Stunden lang abgemeldet. Ein Grund für die zunehmenden Engpässe ist offenbar die Personalnot. Fehlt Personal, werden Betten dauerhaft gesperrt. Nach Recherchen des Magazins können in manchen Krankenhäusern bis zu einem Drittel der vorhandenen Intensivkapazitäten nicht genutzt werden, da die notwendigen Intensivpflegekräfte fehlen. Bettensperrungen in der Intensivmedizin sind nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft ein bundesweites Problem. Offenbar haben die seit Januar 2019 geltenden Personaluntergrenzen das Problem an einigen Häusern noch verschärft. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft bewertet die neuen Grenzen angesichts von 17.000 unbesetzten Stellen als „hoch problematisch“. Die Untergrenzen führten dazu, dass „zusätzliche Versorgungskapazitäten abgemeldet werden und Versorgungsengpässe entstehen“, sagte Georg Baum, Geschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), der NDR-Sendung.

Foto: Krankenhausflur, über dts Nachrichtenagentur

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