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Online frisst Offline

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Dirk von Schnakenburg.
Foto: Jade HS

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Oldenburg / zb – „Handel der Zukunft – Erfolgsstrategien im digitalen Zeitalter“ heißt ein Kongress, zu dem die Jade Hochschule zusammen mit NORDWEST.DIGITAL alle Interessierten am 29. September von 9 bis 17 Uhr in den Lichthof der Jade Hochschule Oldenburg an der Ofener Straße 16 einlädt.

Für den stationären Handel in Deutschland sieht es nicht gut aus. Fast jeder zehnte deutsche Laden ist von der Schließung bedroht. „Online kannibalisiert Offline“, fasst Dirk von Schnakenburg, Professor für Handel, Marketing und eBusiness an der Jade Hochschule, zusammen, der durch die Veranstaltung führt. Laut der Studie „Stadt, Land, Handel 2020“ des Instituts für Handelsforschung (IFH) Köln, befinden sich in den nächsten fünf Jahren rund 45.000 stationäre Geschäfte bundesweit vor dem Aus. Das sind zehn Prozent aller Geschäfte. „Der Handel steht also vielerorts mit dem Rücken zur Wand, wenn er nicht schnell reagiert“, fasst von Schnakenburg zusammen.

Wie können und müssen die stationären Händler, die Handelsketten aber auch die Betreiber von Einkaufszentren auf Angriffe der eCommerce-Anbieter von Amazon, Zalando & Co. reagieren? „Der stationäre Handel hat eine Zukunft – wenngleich sie anders aussieht als die Vergangenheit“, ist der Fachmann überzeugt. Wie die Zukunft aussehen könnte, dass soll auf dem Kongress erörtert werden. Referenten wie Andreas Häntsch von eBay, Tom Alby von Google, Michael Wendt, Mitbegründer von Locafox oder Richard Lemke, Geschäftsführer von FAVENDO Indoor Navigation, setzen sich mit der Zukunft des Handels kritisch auseinander. So erhalten die Teilnehmer praxisnahe Informationen, Ideen und Visionen und zudem wichtige Kontakte für ihre Unternehmen.

„Es wächst eine Konsumentengeneration heran, die Tag und Nacht mit dem Handy verbringt und gerne online einkauft“, macht von Schnakenburg deutlich. Da stellt sich die Frage, was geschieht mit unseren Städten? Für den Experten ist klar, dass der innerstädtische Handel in weniger attraktiven Städten mittelfristig dramatisch schrumpft. „Die Markengeschäfte ziehen zuerst ab, dann kommen Handyshops, Imbisse und schließlich folgt der Leerstand“, beobachtet er bereits.

Eine Stadt wie Oldenburg habe da bessere Perspektiven, ist er überzeugt. Vorausgesetzt, die Händler tun etwas, denn junge Käufer nutzen ihr Handy selbstverständlich auch beim Einkauf. „Sie surfen am PC oder auf dem Smartphone, was für sie auch ein Erlebnis darstellt, betreiben Showrooming, gucken also alles an und vergleichen, weil sie schließlich immer online sind. Dabei werden sie durch Apps über Alternativangebote informiert“, beschreibt er die Situation.

Auf dem Kongress sollen Händler und Dienstleister zusammengebracht werden, um gemeinsam innovative Dienstleistungen und Technologien für neue Marketinginstrumente in die Praxis umzusetzen. Denn nicht nur die „Smart-Natives“ als sogenannte Heavy-User nutzen die mobilen Dienste im Alltag, sondern bereits 40 Prozent der deutschsprachigen Wohnbevölkerung nutzt regelmäßig das mobile Internet“, berichtet von Schnakenburg. „Schon 43 Prozent der Smartphone-Nutzer geben an, das Smartphone bewusst in den Einkaufsvorgang einzubeziehen und an Ort und Stelle Produkt- und Unternehmensinformationen zur Entscheidungsfindung zu gebrauchen.“

Doch nicht nur ständig verfügbare Preis- und Produktinformationen beeinflussen das Konsumverhalten. „Durch die wachsende soziale Vernetzung und die größer werdende Beliebtheit sozialer Netzwerke nutzen die Konsumenten während der Entscheidungsfindung aktiv das Wissen und die Bewertungen anderer Käufer, um die Gefahr von Fehlentscheidungen zu minimieren. Die Meinungen und Erfahrungen des sozialen Umfelds gelten nicht nur grundsätzlich als besonders authentisch, sondern sind nach aktuellen Studien das zweitvertrauenswürdigste Werbemittel aus Sicht der Verbraucher“, weiß der Wissenschaftler.

Händler, so sagt er, können künftig nur erfolgreich sein, wenn sie die traditionellen Verkaufsstrategien weiterentwickeln und die Entwicklung zur Omni-Channel-Nutzung für sich nutzen. „Es ist also keineswegs so, dass der Konsument nur noch reine Onlineangebote erwartet, sondern vielmehr ist die Verschmelzung der Online-und Offlinewelten zu einem geschlossenen System gewünscht“, macht von Schnakenburg deutlich, der auf dem Kongress alle wichtigen Akteure aus der Weser-Ems Region zusammenbringen möchte, damit der Handel für die Zukunft gewappnet ist.

Anmeldungen sind ab sofort per E-Mail an info@nordwest.digital oder telefonisch unter 04 41 / 20 57 22 20 möglich. Die Teilnahme ist kostenpflichtig.

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1 Kommentar

  1. W. Lorenzen-Pranger
    18. Oktober 2015 um 10.25

    Nun ist diese Veranstaltung schon ein paar Tage her und über Ergebnisse oder Einsichten daraus wird leider hier nicht berichtet. Auch in der NWZ habe ich darüber nichts gesehen. Die machen ihr eigenes Ding mit „kauf hier“, bisher leider letztlich nur eine Werbekampagne für die eigene Anzeigenabteilung.
    Ich kann hier aber ein Beispiel anbringen, wie es eben nicht geht. Vielleicht liest es ja noch wer.
    Ich suchte eine Knopfzelle, also so eine kleine flache runde Batterie, wie man sie in Uhren z.B. braucht. Fachgeschäfte wie z.B. Saturn hatten diesen Typ leider nicht im Regal, also in Drogerien und Warenhäusern gucken. Tatsächlich fand ich ein Geschäft in der Inenstadt, das den Typ führte. Preis knapp acht Euro – das Stück! Ich brauchte zwei. Im Internet bei Abnahme ab sechs Stück (ein Blister) einen Euro pro Stück inclusive (!) Versand. Wenn man weiß, wie lange man solche Dinger unbeschadet liegen lassen kann, kein Problem.
    Wenn sich da der Handel „vor Ort“ noch wundert, daß auch der kleinste (in jeder Beziehung) Kauf übers Internet abgewickelt wird, dann komme ich zumindest aus dem Staunen nicht mehr heraus.
    Es ist ja nur ein Beispiel, das ich hier beschreibe, ich könnte auch noch andere nennen.
    MIr ist klar, daß ein Einzelhändler vor Ort mehr Aufwand (Verkaufsräume, Personal usw.) treiben muß als ein internet-Händler, und daß er folglich anders kalkuliert. Aber eine solch krasse Spanne bei so einem Artikel? Von Mischkalkulation hat so mancher offenbar noch nie etwas gehört. Nicht ein mal in einer überregionalen Handelkette…