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Einzelhandelskonzept: Innenstädte stärken

IHK-Geschäftsführerin Carola Havekost stellte den Leitfaden für kommunale Einzelhandelskonzepte vor.

IHK-Geschäftsführerin Carola Havekost stellte den Leitfaden für kommunale Einzelhandelskonzepte vor.
Foto: Katrin Zempel-Bley

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Oldenburg/zb – Alle sieben niedersächsischen Industrie- und Handelskammern haben gemeinsam den Leitfaden „Kommunale Einzelhandelskonzepte“ erstellt. „Er soll Städten und Gemeinden dazu dienen, vitale Arbeits-, Kultur- und Wohnstandorte zu sein“, sagt Carola Havekost, Geschäftsführerin der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK), die den Leitfaden heute in Oldenburg vorgestellt hat. Sie sprach von einem „Meilenstein“.

Tatsächlich verfügen viele Städte und Gemeinden unter anderem in den Landkreisen Wesermarsch und Ammerland über kein Einzelhandelsentwicklungskonzept oder müssten ihre Konzepte dringend aktualisieren wie z.B. auch in Cloppenburg und Vechta. Dabei komme dem Einzelhandel in den Zentren eine Schlüsselrolle zu, machte Havekost deutlich und verwies in diesem Zusammenhang auch auf die zunehmende Rolle des Online-Handels. Somit stünden nicht nur der Handel sondern auch die Stadtentwicklungen vor großen Herausforderungen, mahnte sie.

Politik und Verwaltung im Oldenburger Land forderte sie auf, Einzelhandelskonzepte als wirkungsvolles Instrument zu nutzen, um so den Wandel im Handel aktiv zu begleiten. Ortskerne und andere Einkaufslagen könnten so strategisch entwickelt und zugleich gestärkt werden. Doch längst nicht alle Städte und Gemeinden wollen auf diese Weise Planungssicherheit schaffen. Denn wenn sie durch die Räte beschlossen sind, gelten sie als verbindlich. Aber manch eine Kommune fürchte offenbar, dass unverhofft ein Investor an die Tür klopfe, der nicht in das Konzept passe. Anders ließe es sich nicht erklären, dass zwei Drittel aller niedersächsischen Kommunen kein oder nur ein veraltetes kommunales Einzelhandelskonzept haben, meinte Havekost.

Derartige Konzepte machten auch Sinn angesichts der Trends im Einzelhandel, erklärte Havekost weiter. So nimmt die Verkaufsfläche kontinuierlich zu und bewirkt einen Verdrängungsprozess zu Lasten kleinerer Unternehmen. Die Umsätze stagnieren, der Wettbewerb wird schärfer und der Kunde wird immer hybrider. All das führt zur Schwächung der gewachsenen zentralen Lagen und beeinträchtigt die verbrauchernahe Versorgung, die vor allem ältere Menschen wünschen.

Versorgungsbereiche müssten grundstücksscharf abgegrenzt werden, um die jeweiligen Zentren zu stärken, rät der Leitfaden. Ansonsten befinden sich wie beispielsweise in einem Oldenburger Stadtteil gleich drei Supermarktketten direkt nebeneinander, machen sich gegenseitig Konkurrenz und zwei Kilometer weiter, im eher ländlichen Gebiet, ist kein einziges Versorgungsangebot anzutreffen zum Leidwesen der Bürger.

Havekost wünscht sich zudem ein regionales Einzelhandelskonzept für das Oldenburger Land. Es würde Transparenz schaffen aufgrund sinnvoller Absprachen und letztlich das gesamte Gebiet vor Fehlentwicklungen schützen. Doch davon sind Städte und Gemeinden weit entfernt. Zahlreiche Gemeinden haben überhaupt noch kein Konzept und planen es derweil auch nicht, wie aus den Daten der IHK hervorgeht. Dennoch erhalten alle Kommunen innerhalb des IHK-Bezirks den neuen Leitfaden und können sich jederzeit an die IHK, Telefon 04 41 / 222 03 00, wenden, um sich beraten zu lassen.

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