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Wattenmeer ist Tankstelle für Tausende Zugvögel

Peter Südbeck präsentierte zusammen mit Petra Potell (links) und Kathrin Horvath, Praktikantin aus Wien, das Programm der Zugvogeltage 2013.

Peter Südbeck präsentierte zusammen mit Petra Potell (links) und Kathrin Horvath, Praktikantin aus Wien, das Programm der Zugvogeltage 2013.
Foto: Katrin Zempel-Bley

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Oldenburg/Wilhelmshaven/zb – Für Tausende von Zugvögeln ist das Niedersächsische Wattenmeer eine lebensnotwendige Station, wo sie ihr Flugbenzin für ihre Weiterreise nach Afrika tanken. Wie das funktioniert, kann man auf den 5. Zugvogeltagen vom 5. bis 13. Oktober erleben, zu denen der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer einlädt.

Zu den gefiederten Gästen gehört auch die Pfuhlschnepfe, die zuvor in Sibirien verweilte, etwa vier Wochen im Weltnaturerbe Wattenmeer Station macht, um in dieser Zeit ihr Gewicht zu verdoppeln. „Hier bekommt sie die Kondition, die sie braucht, um Afrika zu erreichen“, erklärt Peter Südbeck, Leiter der Nationalparkverwaltung, dem es zum fünften Mal zusammen mit seinem Team gelungen ist, ein umfangreiches Programm zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem Schiff oder dem Bus auf die Beine zu stellen.

„Wir erleben anlässlich der Zugvögeltage seit 2009 ein großes Interesse in der ganzen Region. Aber wir haben auch Stammgäste aus Nordrhein-Westfalen oder auch der Schweiz“, berichtet er bei der Programmpräsentation. 10.000 Besucher interessierten sich im vergangenen Jahr für die Veranstaltungen. „Wer einmal die Zugvögel aus nächster Nähe und unter fachkundiger Leitung beobachtet und erlebt hat, ist fasziniert und kommt wieder“, erzählt er. Allerdings stellt er auch fest, dass vielen Einheimischen die Bedeutung des Wattenmeers nicht bewusst ist.

Die Zugvogeltage bieten Exkursionen, Vorträge, eine Ausstellung und Beobachtungstürme. Einer steht in Varel am Außentief (Hafenausfahrt) und wird von vielen Menschen aufgesucht. Von hier aus kann man besonders gute Einblicke in das Leben und treiben der Zugvögel gewinnen und sich erklären lassen, wer da gerade frisst, ruht oder fliegt, wo die Vögel herkommen und wo sie den Winter verbringen werden.

Über Ergebnisse aus der Zugvogelforschung informieren Vorträge anschaulich und allgemeinverständlich. Die Besucher erfahren Zusammenhänge zwischen dem Wattenmeer und den Brut- und Überwinterungsgebieten oder auch ganz andere, oft überraschende Aspekte des internationalen Vogelzugs begleitet von eindrucksvollen Fotos.

Tatsächlich rasten im Weltnaturerbe Bewohner der Welt, die auf diesen Aufenthaltsort angewiesen sind, um sich zu stärken und den nächsten zu erreichen, der wiederum mehrere tausend Kilometer entfernt liegt. Wie sensibel das System ist, macht Südbeck an jenen Vogelarten deutlich, die Muschelfresser sind. „Die haben sich in den letzten Jahren kaum noch blicken lassen, weil ihre Nahrungsgrundlage bei uns knapp geworden ist“, erzählt er. Die Muscheln wurden vor allem in den Niederlanden von Fischern abgefischt. Inzwischen ist das reguliert worden, so dass Südbeck hofft, bald wieder Muschelfresser entdecken zu können.

Im vergangenen Jahr registrierte er 185 Vogelarten im Wattenmeer. Damit das so bleibt, muss das Terrain geschützt werden. „Die Vögel brauchen gute Bedingungen, damit sie uns besuchen. Neben Schutz und Ruhe eben eine gute Nahrungsgrundlage“, sagt er. All das können die Besucher in 170 Veranstaltungen erfahren, die zwischen Borkum und Cuxhaven angeboten werden. „Es gibt Programme für die ganze Familie, aber auch reine Kinder- und Erwachsenenangebote. Das Programmheft „Jadebusen“ umfasst den Bereich Oldenburg, Dangast, Fedderwardersiel, Wilhelmshaven und Wangerland.

Bereits am 19. September um 19.30 Uhr können sich Interessierte bei einem Vortrag im Oldenburger Museum für Natur und Mensch zum Thema „Vogelzug und Klimawandel“ von Dr. Ommo Hüppop von der Vogelwarte Helgoland auf die Zugvogeltage einstimmen lassen. Er zeigt die Auswirkungen des Klimawandels auf die Zugvögel.

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