Region

„Lebensmittel nicht länger verramschen“

Dirk Warnecke, Initiator des Netzwerkes Nordwest isst besser, begrüßte gemeinsam mit den Netzwerkmitgliedern Minister Christian Meyer und Michael Marquardt von der Marketinggesellschaft der Niedersächsischen Land- und Ernährungswirtschaft Hannover.

Dirk Warnecke, Initiator des Netzwerkes „Nordwest isst besser“ (vorne Mitte), begrüßte gemeinsam mit den Netzwerkmitgliedern Minister Christian Meyer (rechts) und Michael Marquardt von der Marketinggesellschaft der Niedersächsischen Land- und Ernährungswirtschaft Hannover (links).
Foto: Katrin Zempel-Bley

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Oldenburg (zb) – „Regionale Zukunft der Ernährung“ lautete des Thema eines Talkabends, zu dem das Unternehmensnetzwerk „NORDWEST isst besser“ in den Alten Landtag in Oldenburg eingeladen hatte. „Regional ist Trend“, erklärte Christian Meyer, Niedersächsischer Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, der für Regionalvermarktung große Chancen sieht und diesen Trend vor rund 90 Besuchern begrüßte.

„Regionalität“, so betonte der Minister, „hat bei den Verbrauchern einen hohen Stellenwert.“ Mit ihr werde Transparenz, Authentizität und Nachhaltigkeit verbunden. Mittlerweile hätten die Verbraucher gute Möglichkeiten, sich regional zu ernähren und somit eine zukunftsweisende Landwirtschaft zu unterstützen, die ihren Preis habe. „Denn Lebensmittel dürfen nicht länger verramscht werden“, forderte Meyer und kritisierte jene Unternehmen, die Lebensmittel unter dem Einkaufspreis anbieten.

Der Minister, der die regionale Landwirtschaft nach vorne bringen will, räumte ein, dass es auch hier schwarze Schafe gibt, die mit ihrer Werbung Regionalität suggerieren würden. So stammen der Schwarzwälder Schinken überwiegend von Schweinen aus dem Nordwesten und viele Milchprodukte eben nicht von Kühen, die auf der Weide grasen, so wie es uns die Bilder vermitteln wollten. Deshalb sprach sich der Minister für ein klar definiertes Regionalitätssiegel aus, um Vortäuschungen falscher Tatsachen zu verhindern. „Netzwerke wie ‚Nordwest isst besser‘ sind wichtige Vorreiter und Leuchttürme einer Region.“

„Die meisten Verbraucher“, so berichtete Michael Marquardt von der Marketinggesellschaft der Niedersächsischen Land- und Ernährungswirtschaft Hannover, „glauben, das regionale Produkte gleichzeitig auch Bioprodukte sind. Das ist falsch“, stellte er klar. Außerdem würde es nicht den Verbraucher geben sondern viele verschiedene. Zudem würden sie mitunter hohe Ansprüche formulieren, in der Praxis aber anders handeln.

Das bestätigte Netzwerkmitglied Martin Bartsch von der gleichnamigen Oldenburger Stadtschlachterei. „Wir haben die frische Milch vom Bauern nebenan in Flaschen in unseren Regal stehen, aber gekauft wird überwiegend die Molkereimilch aus der Tüte.“ Im Gegensatz zu Dänen oder Franzosen würden die Deutschen beim Kauf von Lebensmitteln eher wenig Geld ausgeben, berichtete Prof. Dr. Reinhard Pfriem von der Universität Oldenburg. „Wer aber hochwertige regionale Lebensmittel will, der muss tiefer in die Tasche greifen“, machte er klar und stellte diesbezüglich einen Nachholbedarf fest. Allerdings hätten die regionalen Lebensmittel viel mehr Schichten erreicht als Bioprodukte, berichtete Pfriem aus seiner wissenschaftlichen Arbeit. „Regionale Produkte genießen ein viel höheres Vertrauen.“

Dr. Michael Schwarz-Eywill, Mediziner am Evangelischen Krankenhaus Oldenburg, betonte, dass wir uns so gut ernähren wie nie zuvor. Gleichwohl steige die Zahl der Übergewichtigen rapide und von 100 Befragten könnten nur fünf bis zehn erklären, was sie genau essen. „Die Menschen sollten sich mehr Zeit für ihre Ernährung nehmen und genau festlegen, was sie essen wollen“, lautete sein Rat.

Pfriem wies jedoch auf die hohen Antibiotika-Rückstände in Tieren und Pestizide in Obst und Gemüse hin. Sie gefährdeten die Gesundheit. „Deshalb ist der Verbraucher der Schlüssel des Problems“, folgerte Bartsch. „Er hat es in der Hand. Was er nachfragt, wird am Ende angeboten und verkauft.“ Für Netzwerkmitglied Dirk Warnecke von eks catering ist deshalb klar, dass weiterhin über Lebensmittel und ihre Verarbeitung aufgeklärt werden muss, damit Verbraucher den Lebensmittel-Dschungel durchschauen.

Das Publikum forderte den Minister auf, Ernährung stärker in Kindergärten und Schulen zu verankern. Es könne nicht angehen, wenn Kinder nicht wüssten, woher die Milch kommt oder wo ein Apfel wächst. Ernährung müsste frühzeitig bewusst wahrgenommen werden.

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