Voßkuhle fordert schnellere Staatsreform

Der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, hat zu einem entschlosseneren Kampf gegen Bürokratie und zu einer tiefgreifende Staatsreform aufgerufen.

Foto: via dts Nachrichtenagentur

Der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, hat zu einem entschlosseneren Kampf gegen Bürokratie und zu einer tiefgreifende Staatsreform aufgerufen. „Aus meiner Sicht haben wir einen Kipppunkt erreicht. Wenn wir uns nicht ändern, gehen wir unter“, sagte Voßkuhle der Wochenzeitung „Die Zeit“. „Unser Land ist risikoscheu geworden, perfektionistisch, selbstgerecht und technologiefeindlich, und es hat keinen Sinn mehr für Geschwindigkeit.“

Voßkuhle attestiert in dem Zusammenhang auch der Justiz ein „Mindset-Problem“. Insbesondere die Verwaltungsgerichtsbarkeit, die staatliche Entscheidungen kontrolliert, sei geprägt von Personen, die nicht selten sehr wissenschaftsaffin und detailverliebt seien und gleichzeitig die Welt retten wollten. An den Zivilgerichten gebe es viele Menschen, die in der Differenziertheit der zivilrechtlichen Dogmatik gefangen seien. Ob ein Unternehmen existenziell bedroht sei, weil ein Prozess zu lange dauere, gerate dadurch schnell aus dem Blick.

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Voßkuhle hatte im März 2025 gemeinsam mit der Verlegerin Julia Jäkel sowie den früheren Bundesministern Peer Steinbrück und Thomas de Maizière umfassende Vorschläge zur Staatsmodernisierung vorgelegt. Er lobte die Fortschritte der Bundesregierung auf diesem Feld: „Es gibt eine Aufbruchstimmung, den Staat zu reformieren, wie noch nie seit Bestehen der Bundesrepublik. Unendlich viele Maßnahmen sind auf den Weg gebracht worden.“ Zugleich räumt er ein: „Vieles davon ist sehr technisch und interessiert die Leute nicht wirklich.“ Er habe gehofft, dass die Bundesregierung dazu noch eine „große Reformerzählung“ entwickle.

Seine Mitstreiterin Jäkel, die frühere Chefin des Verlags Gruner + Jahr, sagte, es brauche mehr gemeinsame Anstrengungen der Bundesminister und der Landesregierungen. „Wir fragen uns manchmal: Ist wirklich allen klar, wie dringlich die strukturelle Erneuerung ist?“ Jäkel sagte: „Unser Staat hat sich verheddert. Aber das Entknoten kann niemand allein, das kann nur gemeinsam funktionieren.“

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