Gesundheit

Pflegeeinrichtungen: Infektionen kennen keine Grenzen

Dr. Dagmar Rocker (NLGA), Dr. Matthias Pulz (NLGA), Gesundheitsministerin Cornelia Rundt, Prof. Dr. Alexander Friedrich (Gesamtleiter EurSafety Health-net, Universitätsklinikum Groningen) und Peter Bergen (NLGA) stellten das Pflegesiegel und seine Qualitätskriterien vor.

Dr. Dagmar Rocker (NLGA), Dr. Matthias Pulz (NLGA), Gesundheitsministerin Cornelia Rundt, Prof. Dr. Alexander Friedrich (Gesamtleiter EurSafety Health-net, Universitätsklinikum Groningen) und Peter Bergen (NLGA) stellten das Pflegesiegel und seine Qualitätskriterien vor.
Foto: Anja Michaeli

Oldenburg (zb) Im Oldenburger Kulturzentrum PFL wurden 70 von insgesamt 216 niedersächsischen Alten- und Pflegeeinrichtungen mit dem Qualitäts- und Transparenzsiegel des niederländisch-deutschen EurSafety-Projektes ausgezeichnet. Rund 240 Einrichtungen aus den Städten Oldenburg und Delmenhorst sowie der Landkreise Ammerland, Oldenburg und Wesermarsch hatten sich um das sogenannte Pflegesiegel beworben.

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Das Gesundheitsprojekt EurSafety Health-Net hat sich zum Ziel gesetzt, einen grenzüberschreitenden Qualitätsverbund aus Einrichtungen des Gesundheitswesens zu schaffen. Das Netzwerk will die Patientensicherheit fördern und den Schutz vor Infektionen stärken. Um das Siegel zu erhalten, müssen die Einrichtungen eine Reihe an hohen Qualitätskriterien erfüllen. Für das Pflegesiegel mussten unter anderem standardisierte Prozesse in der Prävention von Infektionserkrankungen wie dem multiresistenten Erreger MRSA erarbeitet werden. Regelmäßige Schulungen, die Ausbildung von Hygienebeauftragten und die enge Vernetzung mit anderen Einrichtungen aus dem lokalen Gesundheitswesen sind Teil der zehn Anforderungsziele. „Es hat eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Hygiene stattgefunden“, so Dr. Matthias Pulz, Präsident des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes und Regionalkoordinator des Projektes.

„Gesundheitseinrichtungen sind gefährlich“, so sei zurzeit der Eindruck, betont der Gesamtprojektleiter Prof. Alex Friedrich von der Universität Groningen. Und natürlich würden immer Infektionen entstehen, wenn viele Menschen Kontakt zueinander hätten. Dabei sei die Behandlungsmedizin längst nicht mehr ausreichend. Durch ständige Verlegungen von Patienten würden die Infektionen von einer Einrichtung in die andere übertragen. „Wir können aber die Hälfte davon vermeiden“, sagt Friedrich. Die Grundvoraussetzung sei eine konsequente Zusammenarbeit aller Beteiligten in der Patientenversorgung – über einzelne Institutionen und Länder hinaus. „Sie müssen in einer Versorgungsregion so handeln, als ob sie ein einziges Krankenhaus wären“. Aber die Maßnahmen zur Bekämpfung und die Richtlinien sind für Rehakliniken, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen unterschiedlich, der Mensch müsse im Mittelpunkt stehen. Die Qualitätsstandards müssen in Zukunft vergleichbar sein – auch grenzüberschreitend – das sei nur mit allen gemeinsam zu schaffen.

Erfreut zeigte sich die niedersächsische Sozial- und Gesundheitsministerin Cornelia Rundt über das sehr große Interesse von Alten- und Pflegeeinrichtungen in der Ems-Dollart-Region. „Wir haben es hier dem Zuhause der Menschen zu tun“, betonte die Ministerin, „es muss deshalb eine vernünftige Balance gefunden werden. Die Einrichtungen dürfen nicht wirklich steril sein, benötigen aber einen erhöhten Standard“. „Einige konnten die anspruchsvollen Ziele nicht erreichen“, bedauert Pulz. Als Gründe dafür sieht er den Fachkräftemangel im Pflegebereich und die daraus resultierenden Personalwechsel an. „In Niedersachsen liegen Personalschlüssel und Vergütung unter dem Durchschnitt“, so Rundt, „Es ist sehr positiv, dass so viele Einrichtungen trotzdem versucht haben, unter diesen Bedingungen das Beste für die Patienten rauszuholen“.

Das Verbundprojekt EurSafety Health-net wird durch die EU und Interreg gefördert. Die Initiative startete vor einem Jahr. In 2013 wurden bereits 49 Krankenhäuser aus den Niederlanden und Deutschland mit dem MRSA-Qualitätssiegel ausgezeichnet. Das Pflegesiegel ist der zweite Baustein, es wird in den fünf grenznahen Regionen von Groningen/Aurich bis Liège/Eupen an mehr als 500 Einrichtungen verliehen – davon 100 in den Niederlanden. Insgesamt stehen für die fünf Regionen zehn Mio. Euro über einen Zeitraum von sechs Jahren zur Verfügung. 15 Koordinatoren stehen für das Projekt zur Verfügung, in der erweiterten Ems-Dollart-Region sind das die Universität Groningen und das Niedersächsische Landesgesundheitsamt. Das mehrstufige Konzept sieht eine regelmäßige Überprüfung der erreichten Qualitätsziele und eine Teilnahme an einer zweiten Projektstufe mit einem erweiterten Kriterienkatalog vor.

Diese Alten- und Pflegeeinrichtungen haben das Qualitätssiegel erhalten

Stadt Oldenburg

AWO Altenwohnzentrum Haus am Flötenteich
Amarita Oldenburg GmbH
Caritasstiftung Marienhort
Caritasstiftung St Josef
Diakonie Seniorenzentum Haarentor gGmbH
Diakonie Büsingstift gGmbH
Domicil Seniorenheim GmbH
Ev. Altenzentrum Bischof Stählin gGmbH
Pflegeheim d.Oldenb.Generalfonds
Pflegeheim Bloherfelde
Lambertistift Oldenburg
Hansa Seniorenwohnstift Kreyenbrück
Hansa Seniorenwohnstift Ofenerdiek
DRK- Sozial- u. Pflegezentrum Erlenhof
DRK-Schwesternheim
Friedas-Frieden-Stift
Old.Diakonissenhaus Elisabethstift
FaSeniHa Süd
FaSeniHa Nord

Stadt Delmenhorst

Stephanusstift gemeinnützige GmbH
Erwin-Pelka-Haus
Ernst-Eckert-Haus
August-Jordan-Haus
Villa Rosengarten GmbH und Co KG
Gut Dauelsberg
Senioren Wohnpark Weser GmbH „Am Park“
Rote Kreuz-Stift

Landkreis Ammerland

AWO Altenwohnzentrum Rostrup
AWO Altenwohnanlage Rastede
Residenz zwischen den Auen
Residenz im Grünen
Patrineum Seniorenzentrum Wiefelstede
Alten- und Pflegeheim Edewecht
Seniorenzentrum Adewacht
Ev. Altenzentrum Westerstede
Seniorenheim Meng
Alten- und Pflegeheim Gertrud Höpken
Seniorenzentrum „Am Dorfplatz“

Landkreis Oldenburg

Seniorenpflegeeinrichtung – Landhaus-Nelkenstraße GmbH
Seniorenresidenz Waldschlösschen
Pflegezentrum Johanneum
DRK Seniorenzentrum Hude
Seniorenzentrum Klänerhof
Haus Kirchhatten
Seniorenzentrum Großenkneten
Haus Beckeln
Wichernstift Altenhilfe gGmbH
AWO Wohnpark Wardenburg GmbH
Kreisaltenheim Wildeshausen
Seniorenresidenz Hundsmühlen
Wohn- und Ferienhaus e.V.
Gut Sannum Pflege

Landkreis Wesermarsch

Pflegeheim Alt Harrien
AWO Wohnen & Pflegen Nordenham – Atens
AWO Wohnen & Pflegen „Am Ilseplatz“
Haus Heike
Haus am Bürgerpark
Christophorus-Haus e.V.
BVO Pflegeheim „Haus Christa“ Stollhamm
Seniorenpflegeheim Haus Ruhwarden
Seniorenheim Hof Picksburg
Pflegezentrum Lieken & Bremer
Wohn- und Pflegezentrum „Haus Sandvoß“
Seniorendomizil „Haus Sandvoß“
Seniorenpflegeheim „Haus Sandvoß“
Wohn- und Pflegezentrum „Friesenhof“
Wohn- und Pflegezentrum „Gut Hansing“
WHB Seniorenzentrum Burhave GmbH
Ev. Seniorenzentrum Blexen gGmbH

Weitere Informationen gibt es unter eursafety.eu.

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