Oldenburg

Erwin Juhl: Mit der Rikscha durch Oldenburg

Es gibt in Oldenburg mehr Fahrräder als Bürger – 1,5 pro Kopf. Und so manch einer lässt sich fahren: von Erwin Juhl mit seiner Rikscha.

Erwin Juhl liebt die Entschleunigung und hat seine Passion zum Beruf gemacht.
Foto: Anja Michaeli

Oldenburg (am) – Radfahren wird in Oldenburg groß geschrieben. Es gibt in der Huntestadt mehr Fahrräder als Bürger – 1,5 pro Kopf, so die Statistik. Einige Fans der Zweiräder fahren im Liegen, andere bewegen sich mit Rädern der Marke Eigenbau wie zum Beispiel einem doppelstöckigem Rad durch die Stadt, gemeinsam ist man mit dem Fahrradschiff MS Oldenburg unterwegs und so manch einer lässt sich fahren: von Erwin Juhl mit seiner Rikscha Oldenburg.

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2013 staunte Erwin Juhl nicht schlecht, als er in Hannover die Velocab-Rikschas entdeckte. „Sie gingen mir nicht mehr aus dem Kopf“, erinnert sich der passionierte Radfahrer. So etwas müsse es auch in Oldenburg geben, aber eher klassisch. Bei seinen Nachforschungen wurde er mit Ratschlägen von der Wirtschaftsförderung der Stadt Oldenburg unterstützt, weitere Informationen sammelte der pensionierte Berufssoldat im Internet. Über einen kleinen Betrieb für Lastenräder, der „Radkutsche“ in Mössingen bei Tübingen, fand Juhl sein Wunschmodell einer Rikscha. Das Gefährt bietet Platz für zwei Fahrgäste und besitzt eine elektronische Unterstützung, die aber selten eingesetzt werden muss. „Wenn die Kiste rollt, dann rollt sie“, so Juhl. Allerhöchstens bei der Anfahrt oder einer ansteigenden Straße nutze er den Elektrohilfsmotor. Sein Standardantrieb ist ein „ökonomisch-ökologisches Human-Triebwerk mit einem umweltschonenden Verbrauch von 1,5 Liter Apfelschorle/Wasser-Gemisch auf 100 Minuten“, witzelt er auf seiner Website.

Seit 2014 fährt Juhl nun entschleunigt und umweltfreundlich mit zirka 15 Stundenkilometern durch Oldenburg. „Ich liebe das und nehme die Stadt ganz anders wahr, die Straße ist jetzt mein Arbeitsplatz. Außerdem ist der Kontakt zu den unterschiedlichen Menschen ganz toll und macht Spaß.“ Für Hochzeiten, Junggesellenabschiede, Geburtstage und Touren zu interessanten Punkten in der Stadt lassen sich seine Fahrgäste von ihm kutschieren. Seine Ehefrau Andrea Juhl sorgt für den passenden Blumenschmuck zu feierlichen Anlässen. Bei gutem Wetter ist er von mittwochs bis sonntags, 10 bis 18 Uhr, unterwegs, auch leichter Regen trübt das Vergnügen nicht. „Wenn aber richtiges Schietwetter ist, bleibt die Rikscha zu Hause“, betont Juhl, denn die Sicherheit ist ihm wichtig.

Statt Pferdekutsche oder Limousine: In Oldenburg kann es nach der Trauung auch mit einer Rikscha durch die Stadt gehen.

Statt Pferdekutsche oder Limousine: In Oldenburg kann es nach der Trauung auch mit einer Rikscha durch die Stadt gehen.
Foto: Niels Schneider

Der seit seiner Pensionierung enthusiastische Fahrradfahrer hält sich mit Indoorcycling fit für seine neue Aufgabe. Neben Haus, Hof und Garten engagiert er sich ehrenamtlich bei der Bahnhofsmission in Oldenburg. Außerdem interessiere es ihn heute mehr, was in der Stadt los ist. Um auf dem Laufenden zu bleiben, besucht er unter anderem den Verkehrsausschuss und interessiert sich für Umweltthemen.

In Zukunft möchte Erwin Juhl begleitete Fahrten für Senioren anbieten. Erste Gespräche mit Oldenburger Altenheimen hat er bereits geführt. Außerdem sei im vergangenen Jahr der Taxibetrieb etwas auf der Strecke geblieben, das will der Rikschafahrer jetzt ändern und für spontane Fahrten mehr auf den Straßen unterwegs sein. Und auch die Rikscha soll immer weiter optimiert werden, ein neues Verdeck steht auf der Wunschliste.

In diesem Jahr findet zum Saisonstart erstmals das Radfestival „Hallo Fahrrad“ am kommenden Sonntag, 3. April, 12 bis 18 Uhr statt. Und natürlich ist auch Erwin Juhl mit der Rikscha Oldenburg mit von der Partie. Bei kleinen Runden über den Rathausplatz können Interessierte das Fahrgefühl einmal erleben. Nächster Termin ist dann der ADFC-Aktionstag „Rund ums Fahrrad“, der am 16. April, ab 9.30 Uhr auf dem Oldenburger Schlossplatz stattfindet.

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2 Kommentare

  1. Erwin Juhl
    3. April 2016 um 12.34

    Neiiiin, es ist kein Aprilscherz!

    Vorhin kommt mir eine Gästeführerin mit einer Besuchergruppe entgegen. Ich trage grad meinen Rikscha-Aufsteller zum Rathausplatz. Sie sieht das Plakat und sagt laut: „Sie gibt das wirklich?! Und ich dachte, das wäre ein Aprilscherz!“

    Also… mich gibt’s wirklich!

    • Werner Lorenzen-Pranger
      3. April 2016 um 17.30

      Kann ich bestätigen, ich komme gerade vom oldenburger Marktplatz zurück. Es lief dort sogar noch eine zweite Rikscha auf, die aber wohl nur privat genutzt wird, nehme ich an. Ansonsten war das Angebot, neben dem natürlich großartigen Fahrradschiff von Metallbildhauer Michael Olsen, von Seiten der Händler eher dürftig. Alles Standardware, kein, oder kaum, Zubehör.
      Will man diese Veranstaltung fortsetzen, muß das alles, nach meiner Meinung, noch deutlich vielseitiger und bunter werden.