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Weiter große Einkommensunterschiede zwischen Ost und West

Karl-Marx-Monument in Chemnitz, über dts Nachrichtenagentur

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Gemessen an den Einkommensunterschieden ist die Bundesregierung vom Ziel der gleichwertigen Lebensverhältnisse in Deutschland auch drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung noch weit entfernt. Böblingen, Ingolstadt, Erlangen und Wolfsburg im Westen haben den höchsten monatlichen Einkommens-Mittelwert (Medianentgelt) von sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten – der Erzgebirgskreis, Görlitz, der Saale-Orla-Kreis sowie der Landkreis Altenburger Land im Osten den niedrigsten.

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Das geht aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Frage der Linksfraktion im Bundestag hervor, über die die Zeitungen des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“ in ihren Mittwochausgaben berichten. Die Autostadt Wolfsburg verzeichnet demnach mit 5.067 Euro brutto das bundesweit höchste Medianentgelt, der Erzgebirgskreis mit 2.407 Euro brutto das niedrigste. Median – auch Zentral- oder Mittelwert genannt – bedeutet, dass die eine Hälfte der arbeitenden Bevölkerung am Ort weniger und die andere mehr als diesen Wert bekommt. Auch wenn insbesondere Wolfsburg als Sitz von VW ein Ausreißer ist – die Einkommensungleichheit zwischen Ost und West ist eindeutig. Das Arbeitsministerium verweist in seiner Antwort auf die Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit und deren Auswertungen bis zum Jahr 2020. Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, Sabine Zimmermann, sagte dem RND: „Es ist beschämend, dass Ostdeutschland flächendeckend von niedrigen Löhnen gekennzeichnet ist.“ Das Medianentgelt für sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte habe Ende 2020 bundesweit bei 3.427 Euro gelegen, 18,7 Prozent der Vollzeitbeschäftigten arbeiteten zu Niedriglöhnen. Im Erzgebirgskreis seien es 43,2 Prozent, in Wolfsburg 6,4 Prozent. Zimmermann forderte: „Die Bundesregierung muss die Rahmenbedingungen für mehr gute Arbeit schaffen.“ Dazu gehörten ein Mindestlohn von 13 Euro pro Stunde und die Abschaffung von Niedriglohnbeschäftigung in Form der Leiharbeit, so die Linken-Politikerin. „Wir brauchen in Deutschland Löhne, von denen man leben kann.“ Das würde auch zu höheren Renten führen.

Foto: Karl-Marx-Monument in Chemnitz, über dts Nachrichtenagentur

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