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Virologe Kekulé für niedrigschwellige Test-Möglichkeiten

Corona-Testzentrum, über dts Nachrichtenagentur

Halle (Saale) (dts Nachrichtenagentur) – Der Virologe Alexander Kekulé fordert, Corona-Tests für viele Menschen verfügbar zu machen. „Wenn jeder sich ganz einfach testen könnte, der aus irgendeinem Grund meint, er hätte sich vielleicht infiziert, wäre das ein echter Game Changer. Das würde unser ganzes Verhältnis zu dieser Pandemie verändern“, sagte der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle der „Welt“ (Freitagausgabe).

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Wenn viele Menschen auf einmal krank würden, blieben immer auch Fälle übrig, die von Gesundheitsämtern nicht mehr aufgespürt werden könnten. „Diese Menschen müssen sich niedrigschwellig testen lassen oder sogar selbst testen können.“ Er plädiert dafür, nicht nur auf die PCR-Methode zu setzen, sondern auch auf Tests mit der LAMP-Methode und auf Schnelltests, obwohl diese ungenauer seien. „Viele Schnelltests wären jedenfalls besser als weniger PCR-Tests im Labor, weil Infektionen schneller und in größerer Zahl entdeckt würden und sich auch Leute testen lassen würden, die den Corona-Maßnahmen eher kritisch gegenüberstehen.“ Auch wenn die Zahl der Neuinfektionen derzeit wieder so hoch liegt wie zuletzt im April, sieht Kekulé aktuell keine ähnliche Dynamik wie zu Beginn der Pandemie. „Wir sind viel weiter als im Frühjahr, weil ein weit überwiegender Teil der Bevölkerung sich an die Regeln – Abstand und Maske – hält und so in der Lage ist, die Geschwindigkeit der Ausbreitung zu drosseln. Selbst wenn sich also ein kleiner Teil ansteckt, haben wir derzeit einen Dämpfungseffekt in der Gesellschaft, den wir damals nicht hatten.“ Kekulé glaubt nicht, dass es erneut ähnlich scharfe Maßnahmen zur Eindämmung des Virus geben wird wie im Frühjahr. „Bei uns wäre ein Politiker nicht mehr lange im Amt, wenn er das wieder so beschließt. Sie wissen ja, wo demnächst überall Wahlen anstehen – insofern ist das ausgeschlossen.“ Außerdem bestünde das Problem, dass es ein „sauberes Exit-Szenario“ brauche. „Man hätte es von Januar bis Oktober nicht hingekriegt, die Risikogruppen zu schützen, die Testkapazitäten hochzufahren, die Nachverfolgung schnell genug hinzubekommen und die Infektionswege genau zu prüfen, dass man weiß, wer wen wo infiziert. Und dann macht man wieder einen Lockdown – wieso sollte es beim zweiten Mal funktionieren, da besser herauszukommen“, so der Virologe.

Foto: Corona-Testzentrum, über dts Nachrichtenagentur

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