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Gabriel wirft Ukraine-Botschafter „Verschwörungstheorien“ vor

Sigmar Gabriel, über dts Nachrichtenagentur

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Ex-Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) wirft dem ukrainischen Botschafter Andrij Melnyk vor, mit „Verschwörungstheorien“ Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu diskreditieren. Dass Melnyk behaupte, Steinmeier habe einst „ein Spinnennetz“ der Kontakte mit Russland geknüpft, sei eine Falschdarstellung, schreibt Gabriel im „Spiegel“.

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Dieser müsse man widersprechen. Spinnennetze dienten bekanntlich dem Fang und der anschließenden Verwertung der Beute. „Auf den Punkt gebracht insinuiert dieser Vergleich, dass der frühere Kanzleramts- und Außenminister die Interessenvertretung Russlands in Deutschland mitorganisiert habe“, so Gabriel. „Das ist wahrheitswidrig und bösartig.“

Gabriel verteidigte in dem Beitrag das Erbe Steinmeiers und kritisierte die jüngste Ausladung des Bundespräsidenten als „beispiellos“. Steinmeier habe als Außenminister mehr als alle anderen in Europa dafür getan, die Ukraine zu unterstützen. Es sei „geradezu absurd“, frühere diplomatische Bemühungen Deutschlands rückblickend „in Grund und Boden zu kritisieren“. Steinmeiers Philosophie hält Gabriel auch in der jetzigen Lage für richtig.

Die Realität sei, so der ehemalige SPD-Chef, „dass Außenpolitik und Diplomatie nicht auf Dauer von Panzern und Raketen ersetzt werden können“. Im Krieg gehe es jetzt auch um den „Tag danach“. Gabriel erwiderte auch einen Beitrag des ukrainischen Außenministers Dmytro Kuleba, der eine stärkere Führung Berlins in Europa eingeklagt hatte. Deutschland stehe in voller Solidarität an der Seite der Ukraine.

„Die Führungsrolle Deutschlands einzufordern, wie es Außenminister Kuleba fordert, kann aber nicht bedeuten, dass diese Rolle nur dann akzeptiert wird, wenn Deutschland sich jede Forderung der Ukraine zu eigen macht und eigene Abwägungen als `zögerlich` und zu `russlandfreundlich` diskreditiert werden.“

Foto: Sigmar Gabriel, über dts Nachrichtenagentur

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9 Kommentare

  1. Torsten Guhrke
    17. April 2022 um 10.45

    Botschafter gehoert sofort ausgewiesen, Abbruch saemtlicher diolomatischen Beziehungen zur Ukraine istnfesagt!!!

  2. Anspach
    17. April 2022 um 11.13

    Endlich mal klare Worte!!!! Danke dem ehemaligen Außenminister.

  3. Murdfield
    17. April 2022 um 11.19

    Vielleicht kann der „Diplomat und Botschafter“ der Ukraine ja mal erklären, wo das ganze Unterstützungsgeld Deutschlands geblieben ist. Und warum die Ukraine insofern militärisch nicht so gut aufgestellt ist, das der ja offenbar seit Jahren bekannte Agressionspolitik Russlands so relativ wenig entgegen gestellt werden kann. Eigene Verfehlungen führen zu ständiger Beschimpfung Deutschlands? An die eigene Nase fassen und mal die eigenen Oligarchen fragen.

  4. Braun
    17. April 2022 um 11.27

    Stimmt alles
    Aber warum ist Gabriel bis jetzt nur der Einzige??

  5. Friedrich
    17. April 2022 um 12.56

    Erklären sie das mal im Bundestag – vor Waffenlieferungen und Gelder verschenken.
    Mögen die Herren / INNEN BA AUF IHRE BEZÜGE BIS AUF 3000 Euro spenden, inklusive aller anderen Bezüge, da würde was zusammen kommen!
    Man würde den Haushalt schonen. Auch würden sie einen Beitrag zur Wählerschaft bekunden.
    Das wäre doch mal was

  6. Rolf Hoffmann
    17. April 2022 um 13.11

    Einer der es auf den Punkt gebracht hat. Herr Selenskyi und sein Botschafter in Deutschland müssen in Punkto Diplomatie noch viel lernen. Herrn Gabriel kann man nur zustimmen. Bei unterschiedlichen Meinungen, auch unsere Opposition könnte sich in diesem Fall deutlicher auf die Seite unseres Bundespräsidenten stellen. Viel gescheites hat man von der Opposition zum Ukrainekrieg auch nicht gehört. Außer das,was ihnen die Waffenlobbyisten jeden erzählen.

  7. Frank
    17. April 2022 um 13.22

    Diese Auffassung kann man nur unterstützen
    Mancher Politiker der Ukraine sollte wohl abwägen, ob er mit seinen diskreditierenden Darstellungen nicht Wirkungen auf die Hilfsbereitschaft mancher Bürger ausübt.

  8. Klaus P. Thönnes
    17. April 2022 um 13.47

    Ich gebe Herrn Gabriel Recht.
    Der ukrainische Botschafter in Deutschland müsste m. E. aufgrund seiner kriegstreibenden Äußerungen, ausgewiesen werden; seine Bemerkungen „spielen Putin in die Hände“.
    Mich wundert, dass der ukrainische Präsident diesen Scharfmacher nicht zurück pfeift. Dieser Botschafter erweist seinem Volk einen „Bärendienst.

  9. W. Lorenzen-Pranger
    20. April 2022 um 17.03

    Seltsam. Alle Statements am selben Tag in einer zeitlich dichten Reihenfolge mit stets der gleichen inhaltlichen Aussage. Kommt das nur mir merkwürdig vor?
    Immerhin wird aber Gabriel, wie der gesamten SPD, in der Breite der Presse eine seltsam ungesunde Nähe zu Putin in der Vergangenheit attestiert…