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Corona-Krise: Investor warnt vor „unseriösen Versprechen“

Industrieanlagen, über dts Nachrichtenagentur

Frankfurt/Main (dts Nachrichtenagentur) – Alexander Dibelius, unter anderem gelernter Mediziner und Ex-Goldman-Sachs-Banker, warnt vor den Versprechungen der Berliner Regierung, die Folgen der Corona-Krise finanziell abmildern zu wollen. „Das Versprechen der Politiker, dass wir das Ganze ohne erheblichen Wohlstandsverlust bewältigen könnten, ist leider unseriös“, sagte der Top-Investor, der mittlerweile als Partner der britischen Private-Equity-Firma CVC tätig ist, dem „Handelsblatt“ (Dienstagsausgabe). „In einer nachhaltigen und tiefgreifenden Rezession, die eine zwangsläufige Folge eines längerfristig verordneten Angebots- und Nachfrage-Schocks ist, wird sich bald herausstellen, dass das versprochene Geld nicht ausreichen kann.“

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Für Dibelius „ist der akute Absturz der Weltwirtschaft mit all seinen Folgewirkungen“ der weit größere und gefährlichere Stresstest als Sars-CoV-2. Das Credo des Investors: „Besser eine Grippe als eine kaputte Wirtschaft.“ Stattdessen finde „gerade ein wahnsinniges soziales und gesellschaftspolitisches Experiment statt: Jahrhundertelang haben wir auf allen Ebenen für unsere individuelle Freiheit gekämpft, für Gesetze und Menschenrechte. Und auf einmal wird vieles davon einfach so quasi über Nacht weggewischt“, so Dibelius. Das „deutsche Modell der Verzögerungsstrategie“ im Kampf gegen Corona werfe zudem „noch eine andere, utilitaristische Frage auf: Ist es richtig, dass zehn Prozent der – wirklich bedrohten – Bevölkerung geschont, 90 Prozent samt der gesamten Volkswirtschaft aber extrem behindert werden, mit der unter Umständen dramatischen Konsequenz, dass die Basis unseres allgemeinen Wohlstands massiv und nachhaltig erodiert?“ Der Finanzprofi hält nichts von der „derzeitigen, teilweise irrationalen Panik und den Hauruck-Strategien“ der Politik. Was ihn besonders überrascht: „Diskurse, die uns eigentlich stark machen, finden im Angesicht von Corona gar nicht mehr statt.“ Die neue Staatsdominanz sieht der Ex-Investmentbanker ebenso kritisch: „Wer nur mit genug Führungsanspruch auftritt und seine Ideen lang genug als alternativlos postuliert, könnte das Land künftig in Geiselhaft nehmen und jedes Ziel durchboxen, das gerade opportun scheint.“ Dibelius einzige Hoffnung: „Irgendwann wird ein abwägender Umgang mit den Konsequenzen des Shutdowns der derzeitigen, teilweise irrationalen Panik und den Hauruck-Strategien Platz machen und sich der Glaube an eine nachhaltig positive und sichere wirtschaftliche Zukunft durchsetzen. Ich hoffe nur, dass das nicht zu lange dauert, der Wendepunkt nicht zu tief und die bisherigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Errungenschaften nicht zu nachhaltig zerstört sind.“

Foto: Industrieanlagen, über dts Nachrichtenagentur

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5 Kommentare

  1. Alexander Asner
    23. März 2020 um 14.47 — Antworten

    Natürlich wird es einen schweren Schock für die Weltwirtschaft geben, und natürlich auch eine Rezession in Deutschland. Das beschönigt meines Wissens niemand, auch die Regierung nicht. Unseriös ist daher vor allem Hr. Dibelius wenn er heute, am 23. März Corvid-19 tatsächlich mit einer Grippe vergleicht. Ein Blick nach Italien, und auf die Verhältnisse dort reicht aus diesen Vergleich als zynisch und menschenverachtend zu entlarven.

  2. PCKB
    23. März 2020 um 17.24 — Antworten

    Habe ich euch beide richtig verstanden?

    Ihr beide sagt, dass (bei Nichtstun) alle an Corina Sterbende einen geringeren Wert haben als die Weltwirtschaft?
    Also der finanzielle Schaden, die daraus entstehenden Entbehrungen und auch die neu Sortierung der Märkte sind schlimmer als Millionen Verstorbene?

    Ich kann euch sehr gut verstehen. Es ist völlig normal wenn Menschen die im Wohlstand aufgewachsen sind solche Fantasien haben und asozial durch die Welt gehen.

    Ich und meine Freunde haben kein Immunsystem und würden sehr wahrscheinlich sofort daran sterben. Für uns und viele andere ist dies ein garantierter tot. Wenn man eure denke umgesetzt hätte, und uns Millionen sehenden Auges in den tot geschickt hätte, glaub mir, zu euch beiden wäre ich als erstes gekommen und hätte euch umgebracht. Genau das wäre dann passiert. Glaubst du ich setz mich hin und sage mir selber Pech gehabt?

    Corina ist nicht das Problem. Corona hat nur alle Probleme der letzten Jahrzehnte aufgedeckt.

  3. Manfred Murdfield
    23. März 2020 um 17.31 — Antworten

    Auch diese massive Krise wird Profiteure und Verlierer hinterlassen, aber wenn ein Investor an „eine nachhaltig positive und sichere wirtschaftliche Zukunft“ glaubt, denkt er dann an Hugenberg? Spökenkieker und Okkultisten versprechen meist nichts Gutes.

  4. Katrin
    24. März 2020 um 12.15 — Antworten

    Ich halte es für richtig, auch kontroverse Meinungen anzuhören. Dazu gehört diese zweifelsfrei. Und jetzt diskutieren wir:
    * Corona ist offenbar nicht wie eine Grippe, wohl auch nicht wie die Spanische Grippe vor hundert Jahren.
    * Die Entscheidung, die Pandemie auszubremsen, ist eine moralische. Es ist immer schwierig zu entscheiden, was man bereit ist zu opfern für andere. Ganz nüchtern betrachtet: Gefährden wir mit unserem Umgang in der Krise das Überleben der Menschen? Oder Gefährden wir ’nur‘ Wohlstand? (Ja, auch daran hängen Existenzen, aber eben WIRTSCHAFTLICHE Existenzen, keine physischen Existenzen.)
    * Wir Europäer haben bislang noch nicht die Erfahrungen Taiwans oder Singapurs mit Epidemien aus China gemacht. Die sind in den letzten zwanzig Jahren schon öfter gebeutelt worden und haben deshalb schnell und effizient reagiert. Wir lernen jetzt dazu. Leider auf die harte Tour, aber das ist auch meist die lehrreichste…
    * Ja, die Frage nach unserer freien, offenen, individualistischen Lebensweise ist wichtig! Werden wir die beibehalten? Werden wir sie opfern? Werden wir eine bewusste Entscheidung hierbei treffen oder getrieben sein von Ängsten? – Zu einer bewussten Entscheidung gehört jedenfalls auch, der Meinung von Herrn Dibelius ernsthafte Beachtung zu schenken.

    Ich persönlich denke nicht, dass unsere Politiker sich alle ins Fäustchen lachen, weil sie endlich Grundrechte aushebeln können. Sie sehen eine ‚humanitäre Krise‘ (um mal den in der Dritten Welt üblichen Jargon zu benutzen). Sie wollen tatsächlich Menschenleben retten. Oder zumindest nicht für den Tod von Menschen verantwortlich sein.

    Trotzdem müssen wir aufpassen. Daher sind mahnende, auch provozierende Stimmen bei mir immer willkommen.

  5. Schmidt
    24. März 2020 um 19.00 — Antworten

    Anstatt große Reden zu schwingen sollte Herr „Debilius“ die Auswirkungen der Corona-Pandemie dort zu mildern helfen, wo es gerade am nötigsten ist: Indem er sich als ausgebildeter Arzt einen Kittel anzieht und in einem Krankenhaus mit anpackt.
    Vielleicht sogar ehrenamtlich, sofern er den finanziellen Schaden denn verkraften kann – oder besser will.
    Immerhin fürchtet er sich ja nicht, selbst infiziert zu werden und könnte so einen wirklich positiven Beitrag leisten.

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