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Bund und Niederlande wollen Windkraft vor China-Zugriff schützen 

Windrad, über dts Nachrichtenagentur

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – In Deutschland und den Niederlanden wächst die Sorge vor einem Zugriff chinesischer Firmen auf die europäischen Windenergienetze. „Schurkenstaaten, die Menschenrechte verletzen“ müssten benannt und von den Kernbereichen kritischer Infrastruktur ferngehalten werden, sagte der Vorstandschef des Bundesverbands für den Schutz Kritischer Infrastrukturen, Holger Berens, dem „Spiegel“.

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Er fordert deshalb klare Regelungen zum Schutz der Energienetze – nach dem Vorbild des im vergangenen Jahr verschärften IT-Sicherheitsgesetzes, das den chinesischen Ausrüster Huawei faktisch vom Bau der 5G-Netze ausschloss. Deutschland stehe vor einem Dilemma, sagte Tim Holt, Vorstand von Siemens Energy, dem „Spiegel“ dazu. „Die Bundesregierung steht vor der schwierigen Frage, wie sie beschleunigte Energiewende und den Schutz kritischer Infrastruktur in Einklang bringt“, so Holt.  10 der 15 größten Hersteller von Windturbinen kommen aus China. Und auch bei der Infrastruktur – Umspannwerken, Konvertern und Hochspannungsleitungen – führt an den Chinesen kaum ein Weg vorbei.

Deutschland fürchtet deshalb eine wachsende Abhängigkeit, zumal in der Netzinfrastruktur sensible Software steckt.  Die niederländische Regierung hatte kürzlich zwei Gesetze auf den Weg gebracht, um chinesische Bewerber aus einem Großprojekt für die Anbindung von Offshore-Windparks an das Stromnetz herauszuhalten. Die Regelungen sollen es dem staatseigenen Netzbetreiber Tennet ermöglichen, nationale Sicherheitsinteressen stärker zu gewichten und chinesische Firmen auszuschließen. Deutschland, auf dessen Festlandsockel etwa die Hälfte der sogenannten Konverterplattformen für die Stromübertragung geplant sind, wäre Nutznießer der niederländischen Regeln.  Zugleich schafft die Bundesregierung eigene Schutzmechanismen. Die Koalition hat in das neu gefasste Windenergie-auf-See-Gesetz einen Passus aufgenommen, wonach Bieter von Ausschreibungen ausgeschlossen werden können, wenn die Bundesnetzagentur die Sicherheit Deutschlands für gefährdet hält.

Entsprechende kritische Infrastrukturkomponenten sollen allerdings erst bis Mai 2023 definiert werden.

Foto: Windrad, über dts Nachrichtenagentur

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1 Kommentar

  1. W. Lorenzen-Pranger
    8. Juli 2022 um 22.26

    „Schurkenstaaten, die Menschenrechte verletzen“

    Ups. Hat sich dieser Herr Berens mal überlegt, wessen Sprache er da benutzt? Das ist die Sprache eines Hitler, Putin und Co. – und das gegenüber einem Land, dessen Wirtschaftsgüter wir dringender denn je gerade jetzt unbedingt brauchen – nachdem seine, so vermute ich mal, Parteigänger ja den den technischen Fortschritt erstmal zugunster veralteter Techniken und Energieträger wie Braunkohle gründlich in die Tonne getreten haben.
    Hat Herr Berens Lust an der Eskalation zwischen, ja einer zementierung zu, gegensätzlicher Kulturen? Dann nur zu, solche Konflikte werden derezeit ja auch mal wieder gern mit Waffengewalt ausgetragen – statt mit, oder in, Handelsbeziehungen.
    Durchgeknallter gehts ja kaum noch – und was die Menschenrechte angeht: Wie haben sich die Deutschen in Kabul doch gleich verhalten, wie gegenüber Flüchtlingen – und nicht nur da?