Ausstellung

Textilkunst als Antwort auf Digitalisierung

Dieses rosafarbene Kleid ist im Roten Salon des Oldenburger Schlosses im Rahmen der Ausstellung Stichproben zu entdecken.

Dieses rosafarbene Kleid ist im Roten Salon des Schlosses zu entdecken.
Foto: LMO

Oldenburg (zb) – Ein Dialog der besonderen Art ist derzeit im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg zu sehen. Sechs Künstlerinnen der Gruppe „tx02“, Dr. Ingrid Fähmel, Marianne Herbrich, Mechthild Jülicher, Susanne Klinke, Ulrike Lindner und Birgit Reinken, gehen auf ihre ganz eigene Weise auf Tuchfühlung mit der Oldenburger Geschichte. Sie präsentieren bis zum 29. Mai rund 40 zeitgenössische Objekte in den historischen Räumen des Schlosses und reflektieren sie mal provokant, mal zurückhaltend.

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Zarte Fadenroben, wogende Drahtgräser und gestickte Augäpfel überraschen die Besucher ebenso wie kleine graue Filz-Mamsellchen an unscheinbaren Orten oder eingesponnenes Porzellan. Die Kunstobjekte sind im ganzen Schloss verteilt und beschränken sich nicht auf textiles Material, sondern schließen Techniken wie das Nähen eines Kronleuchters aus Kaffeepads oder von Papiermöbeln ein.

Textilkunst ist vermutlich die Antwort auf die unaufhaltsame Digitalisierung unseres Lebens. „Aktuelle Textilkunst zählt auch zu jenen Sparten, die in vielen deutschen Museen lange Zeit ein Nischendasein führten, seit einigen Jahren jedoch groß im Kommen sind“, merkt Kurator Dr. Michael Reinbold an. Selbst Straßenlaternen, Begrenzungspfähle und andere Objekte im öffentlichen Raum werden heutzutage umhäkelt. Urban knitting heißt das in Neudeutsch.

„Die Künstlerinnen haben also die Räume im Schloss erforscht, mit dem Vorgefundenen Zwiesprache gehalten und darauf mit ihren künstlerischen Mitteln geantwortet“, erläutert Reinbold. Zum Beispiel mit einem auffälligen rosafarbenen Kleid, das auf einer Récamière, einem kombinierten Sitz- und Liegemöbel im Roten Salon, drapiert ist und die Assoziation hervorruft, dass im Schloss einst Menschen sehr gut und vornehm gelebt haben.

Die zahlreichen Räume des Schlosses präsentieren sich bis zum 29. Mai einmal vollkommen anders, machen auf Exponate aufmerksam, laden auf neue Weise zu einer Auseinandersetzung mit ihnen und ihrem Inventar ein und zeigen zugleich, was Textilkunst zu bieten hat. Eine Entdeckungsreise der ganz anderen Art.

Rahmenprogramm

Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm mit Führungen und Workshops für Erwachsene und Kinder sowie ein Programm für Schulklassen. Textile Aktionstaschen zum Sticken, Flechten, Designen und Nähen stehen an der Schlosskasse bereit.

An verschiedenen Stationen in der Ausstellung kann man mit Draht, Perlen, Wolle, Pfeifenputzern, Knöpfen, Häkelnadeln und Stoffen künstlerisch tätig werden und Postkarten besticken, ein neues Outfit für eine Prinzessin entwerfen, Filz-Mamsellchen gestalten oder Plastik- und Drahtgärten bauen. Nach Ende der Ausstellung werden die kreativsten „Punkys“, künstlerisch gestaltete Figuren aus Gummihandschuhen, die sich an ein Kunstobjekt aus der Ausstellung anlehnen, gekürt und auf der Facebook-Seite des Landesmuseums vorgestellt. Die Gewinner erhalten Gutscheine für die Teilnahme an Kinder- und Familien-Workshops.

Die Ausstellung ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Mehr Informationen gibt es unter www.landesmuseum-ol.de.

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