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Usutu-Virus: Amselsterben in Norddeutschland angekommen

Am Usutu-Virus erkrankte Amsel.

Am Usutu-Virus erkrankte Amsel.
Foto: Michael Beusch

Nordwesten (pm) Das Vogelsterben durch das tropische Usutu-Virus setzt sich auch in diesem Jahr fort und erfasst weitere Regionen in Deutschland. Besonders Amseln sind betroffen. „Wir haben in diesem Jahr bereits 1500 Meldungen von Usutu-Verdachtsfälle erhalten, knapp zwei Drittel davon alleine im August“, sagt NABU-Vogelschutz-Experte Lars Lachmann.

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Seit dem erstmaligen Auftreten dieses Vogelsterbens im Jahr 2011 breitet sich das besonders im Spätsommer von Stechmücken auf Vögel übertragene Usutu-Virus zunehmend über Deutschland aus. Waren in den ersten Jahren lediglich wärmebegünstigte Regionen entlang des Rheintals und am Untermain betroffen, konnte seit 2016 eine Ausbreitung über Nordrhein-Westfalen nach Norden und in Richtung Bayern sowie ein separater Ausbruch im Raum Leipzig und Berlin festgestellt werden. In diesem Jahr sind offensichtlich vor allem die Regionen um Nürnberg sowie zwischen Bremen und Hamburg erstmals betroffen. Auch im Ammerland wird von Amseln berichtet, die teilnahmslos auf Wiesen sitzen.

„Die 2018 bisher gemeldeten Fälle übertreffen die Zahlen aus den Vorjahren deutlich, was für ein besonders starkes Auftreten und für einen Verbreitungssprung des Virus spricht“, so Lachmann. Ornithologen und Tropenmediziner konnten seit 2011 feststellen, dass immer dann besonders viele Vögel verenden, wenn das Virus erstmals in einer Region auftritt, wie derzeit um Nürnberg, Bremen und Hamburg. In den Folgejahren sinken die Todeszahlen dann auf ein niedrigeres Niveau. Lachmann: „Der warme Sommer dieses Jahres dürfte die Ausbreitung des ursprünglich tropischen Virus begünstigt haben.“

Durch das Virus verursachte Todesfälle von Vögeln treten jeweils während der Stechmückensaison von Mai bis September auf. Infizierte Vögel wirken offensichtlich krank, apathisch, flüchten nicht mehr und sterben meist innerhalb weniger Tage. Fast immer sind es Amseln, bei denen diese Krankheit festgestellt wird, weshalb die Usutu-Epidemie auch als „Amselsterben“ bekannt wurde. Allerdings werden auch andere Vogelarten von diesem Virus befallen und können daran sterben. Lachmann: „Leider kann man Usutu-Infektionen weder verhindern noch behandeln. Es bleibt lediglich die einmalige Chance zu nutzen, die Auswirkungen einer für Deutschland neuen Vogelkrankheit auf wildlebende Vogelarten zu dokumentieren und deren Folgen abzuschätzen. Ziel ist es, neuartige Gefährdungsursachen für Vogelarten mit anderen Bedrohungen wie Klimawandel und Lebensraumverlust vergleichen und beurteilen zu können.“ Tote Vögel sollen nur mit Schutzhandschuhen oder einer umgestülpten Plastiktüte gegriffen werden. Für Menschen besteht nach derzeitigem Kenntnisstand keine gesundheitliche Gefahr durch bei Stechmücken-Stichen übertragene Usutu-Viren.

Um die tatsächliche Ausbreitung des Virus dokumentieren zu können, ist es wichtig, möglichst viele Verdachtsfälle im Labor bestätigen zu können. Entsprechende Untersuchungen nehmen das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg (BNI) sowie manche veterinärmedizinischen Untersuchungsämter vor. Beim BNI sind in diesem Jahr bereits 174 möglicherweise am Usutu-Virus verendete Vögel eingesandt worden. Sie werden derzeit untersucht. Erste Labornachweise des Virus sind erfolgt.

NABU und Tropenmediziner bitten die Bevölkerung, kranke oder verendete Tiere unter www.nabu.de/usutu-melden zu melden und möglichst zur Untersuchung einzusenden.

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1 Kommentar

  1. W. Lorenzen-Pranger
    26. August 2018 um 12.12

    Erschwerend dürfte hinzu kommen, daß die Vögel an vielen Stellen kaum noch unvergiftetes Wasser vorfinden. Fast direkt hinter meinem Haus gibts einen Graben zwischen einem Trampelpfad und den Maisackern (!), aus dem ein Schäferhund trank. Der wäre an dem Wasser fast verendet, wie ein Tierarzt feststellte. Gerade das Oberflächenwasser ist weitenteils durch Gülle und mit „Pflanzenschutzmitteln“ stark verseucht – und nein, Gülle ist eben kein „Naturprodukt“, wie die derzeitige Landwirtschaftsministerin im TV meinte. Gülle ist ein GEMISCH aus zwei Naturprodukten, und jeder, der in Chemie aufgepasst hat, also nicht unsere Weinkönigin, weiß, daß auch ein Gemisch ganz andere Eigenschaften zeigen kann als die Ausgangsstoffe. (Warum die Natur das wohl trennt?) Auch das beste Chemie-Beispiel hierfür, das Königswasser, ist eben KEINE chemische Verbindung, sondern „NUR“ ein Gemisch: https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nigswasser