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DAK-Untersuchung: Generation Rushhour

Dr. Christian Figge, Christine Mengkowski und Frank Miklis stellten die Untersuchung Generation Rushhour vor.

Dr. Christian Figge, Christine Mengkowski und Frank Miklis (von links) stellten gestern die Untersuchung „Generation Rushhour“ vor.
Foto: Katrin Zempel-Bley

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Oldenburg (zb) – Die Arbeitnehmer in Niedersachsen melden sich häufiger krank. Doch wie sieht es im Oldenburger Land aus und an welchen Krankheiten leiden die Menschen. Eine spezielle Untersuchung über Stress und Belastung der 25- bis 40-Jährigen stellte gestern die DAK Oldenburg vor.

Die Untersuchung „Generation Rushhour“ legt 20.000 DAK-Versicherte zugrunde, die alle in einem Beschäftigungsverhältnis stehen. Danach ist die Gruppe der 25- bis 40-Jährigen genauso oft arbeitsunfähig wie die der 15- bis 24-Jährigen. Erst später steigen die Arbeitsunfähigkeitstage immer stärker an. In Niedersachsen liegt der Krankenstand bei 3,9 Prozent, im Oldenburger Land bei 4,0 Prozent. Damit liegt das Oldenburger Land im Durchschnitt. Ausreißer in Niedersachsen mit dem besten Wert ist der Landkreis Vechta mit 3,5 Prozent.

Im Oldenburger Land aber auch in Niedersachsen stehen bei den 25- bis 39-Jährigen akute Infektionen der oberen Atemwege ganz oben auf der Krankheitsliste gefolgt von psychischen Erkrankungen. „In den vergangenen 13 Jahren sind die Fehltage bei den psychischen Erkrankungen um über 100 Prozent gestiegen“, berichtet Frank Miklas, Leiter Service der DAK Oldenburg.

Auf dem dritten Platz rangieren Rückenschmerzen gefolgt von Anpassungsstörungen. „Darunter verstehen wir Schicksalsschläge wie Tod oder Unfall, wovon sich Menschen nicht erholen“, klärt Dr. Christian Figge, Chefarzt Psychiatrie und Psychosomatik der Karl-Jaspers-Klinik Oldenburg, auf. Würde man die Ausfalltage wegen psychischer Erkrankungen sowie Anpassungsstörungen zusammenziehen, verursachen sie mit Abstand die meisten Fehltage.

Einerseits wird der eher endtabuisierte Umgang mit psychischen Erkrankungen für die Steigerung verantwortlich gemacht. Andererseits ist es unser Alltag, an dem viele zerbrechen. Permanente Erreichbarkeit, Arbeitsverdichtung und der Spagat zwischen Job, Karriere und Familie bereitet vielen Menschen Probleme, die letztlich in der Krankheit enden. Dass sie längst nicht alle eine Psychotherapie bekommen, findet Figge problematisch. „Es gibt zwar sehr gute Medikamente, doch letztlich sind sie nicht die Lösung“, sagt er.

Wer geglaubt hat, Eltern wären gestresster als Kinderlose, der irrt. Zumindest geht das aus der DAK-Untersuchung klar hervor. Demnach planen Menschen bis 40 ihr Leben sehr genau. Der finanzielle Rahmen muss stimmen und erste berufliche Stufen erreicht sein, ehe von über 54 Prozent der Befragten Kinder gewollt sind. Ist die Familie gegründet, beklagen Eltern wie Kinderlose viel zu wenig Zeit für sich selbst zu haben, ihre Partnerschaft zu vernachlässigen und dass die Balance zwischen Arbeit und Privatleben nicht stimmt.

Auffällig ist, dass 17,6 Prozent der Kinderlosen angeben, den Anforderungen ihrer Arbeit nicht gerecht zu werden, bei den Eltern sind es lediglich 6,4 Prozent. „Vermutlich legen die Kinderlosen die Messlatte erheblich höher als Eltern“, nimmt Christiane Mengkowski, Projektkoordinatorin im Bereich Beruf und Familie der Lebenshilfe Delmenhorst an.

Für Figge steht fest, dass wir zu oft vom Konsum geleitet sind und im Gegenzug Werte und Moral aufgegeben haben. „Wer Werte hat, kann auch verzichten und empfindet den Verzicht als positiv“, sagt er. Hinzu kommt die veränderte Arbeitswelt, die ständige Erreichbarkeit, alles gleichzeitig tun und am Ende keine Zeit für sich und andere zu haben. Damit werden viele Menschen nicht fertig – unabhängig davon, ob sie Kinder haben oder nicht. Mengkowski und Figge appellieren an Arbeitgeber, familienfreundlicher zu werden und individuelle Lösungen anzubieten. Allerdings warnen sie davor, Kinderlose auf Dauer zu benachteiligen z.B. durch schlechtere Urlaubs- oder Arbeitszeiten. Auch hier käme es auf die Balance an.

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