Ammerland

MPS: Spectaculum in Rastede

Mittelalter Spectaculum in Rastede.

Rastede außer Rand und Band.
Foto: Niko Budden

Oldenburg (nb) Meine Schwester ist sehr MPS vernarrt – das ist das Mittelalter Phantasie Spectaculum, ein Mittelalterfestival mit allerlei Schaustellern, Bands und Marktangeboten. Im letzten Jahr war ich schon da, mit Lisa. Wir drehten ein Video. Auch im diesen Jahr wollte ich vom MPS berichten.

Anzeige

Wenn etwas schief gehen kann, dann geht es schief. Der Computer neu aufgesetzt, die Kamera nicht in der Redaktion – die Technik wehrte sich anscheinend, mit durch die Zeit zu reisen, sie gehörte nicht dahin. Eine kleine, schlichte Digitalkamera des Kollegen konnte sich nicht wehren und kam mit. Diese Impressionen sind nicht qualitativer Natur, das bitte ich zu verzeihen.

Rastede außer Rand und Band. Unzählige Autos tummelten sich um den Stadtpark. Der Parkplatz, den wir aufsuchen mussten, lag – so weit sich meine Füße nicht irren – ungemein weit weg. Es war warm und so ließen wir die Jacken im Auto, ein Irrglaube, denn ich war derjenige, der sie am Abend für die mitfahrenden Damen holen musste. Beabsichtigt?

MPS 2012, endlich angekommen. Wir schlenderten über das Gelände und hörten die Band „Saltatio Mortis“, auf der nächsten Bühne „Rapalje“, all die großen Bands der Szene spielten in den vier Tagen des Festivals. Alle Bands schienen auf die bevorstehenden Nachtkonzerte vorzubereiten, die nicht unbedingt wegen ihres pädagogisch jugendfreien Inhalts zu empfehlen sind. Alkoholisiert und amüsiert stand manch Künstler auf der Bühne, andere arbeiteten mit Feuer, spektakelig war das Freudenfest auf jeden Fall.

An den Ständen konnte man vieles entdecken, mittelalterliche Schwerter, Schmuck, esoterische Düfte, Kleidung – oder auch das Teufelsgebräu, Kaffee. Oft sah man handgemachte Kunst, die einem sonst nicht so begegnet.

Zwischen den Angeboten und den kostümierten Besuchern liefen immer wieder irgendwelche Schausteller, die die Zuschauer gerne mit Gedichtskunst belustigten oder sie gleich in ihre Folterapparate sperrten, in denen sie den Nachmittag verbringen konnten.

Wem das nicht genug war, der konnte die Ritterkämpfe beobachten zu Fuß oder zu Pferde, spannend bis zum blutigen Ende. – Um zu sagen, es ist eine sehr kindgerechte Veranstaltung, zu Tode kam dann doch niemand. Wir sahen sogar einen, der auf seiner Schulter eines der wildesten Tiere hierzulande trug: eine Katze. Ob wir das mit unserem Kater auch machen könnten, bezweifle ich dabei.

Der Nachmittag wollte nicht so recht, Wotan schien missmutig über meine mitgebrachte Technik. Der Himmel brach. Es regnete. Auf einer kleinen Bühne spielte „Das Niveau“, einige wackere Fans blieben vor der Bühne – andere versteckten sich unter die Zelte. Wasser kann Mittelalten dann doch nichts anhaben. Etwas anhaben konnte einem damals eine besondere Krankheit, die Pest. Auch über das MPS Gelände zieht einmal täglich der Pestumzug. Der Tod, der Klerus, Ritter, das normale Volk. Sie ziehen an dem Naturgeisterwagen vorbei, mit dem bunte Gestalten über das Gelände ziehen.

Im Dunkeln zündete man Feuer, die Stimmung ist heimisch, gemütlich. Die Konzerte der Nacht sind um 1 Uhr doch dann vorbei – mehr erlaubt Rastede nicht. Schade. Aber ich war dann doch müde. Ein letztes Mal liefen wir den Weg zum Auto und dann nach Haus.

Auf dem MPS kann man sein wie man ist. Eine lustige und entspannte Atmosphäre begleitet einen, die nicht wenige dazu brachten, ein Drei-Tage-Ticket für das lange Wochenende zu kaufen. Wer auf Twitter aktiv ist, wo wie unsere Redaktion, kann viele Oldenburger Miniblogger antreffen, selbst aus Nordrhein-Westfahlen waren Besucher da. Durch ganz Deutschland zieht das Festival – wenn man doch nur mitziehen könnte.

Vorheriger Artikel

Theaterkritik: „Charleys Tante“

Nächster Artikel

Krabat - Ein Spiel zwischen Macht und Liebe