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Scheidender NRW-Wirtschaftsminister will Fracking prüfen

Erdgas, über dts Nachrichtenagentur

Düsseldorf (dts Nachrichtenagentur) – Der scheidende nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) fordert eine offene Debatte über den Einsatz der umstrittenen Fracking-Technologie zur Erdgas-Förderung. Eine erneute Prüfung des Frackingverbots sei „nicht nur mit Blick auf die neuen energiepolitischen Realitäten notwendig“, schreibt Pinkwart in einem Gastbeitrag für das „Handelsblatt“.

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Sie könne auch „angesichts der international stetig weiterentwickelten Technologie und entsprechender Regelwerke“ zu neuen Erkenntnissen führen. Nach geltender Gesetzeslage könnten bereits jetzt mögliche Probebohrungen zu wissenschaftlichen Zwecken wertvolle Erkenntnisse ergeben. Fracking sei „nach einer von verzerrten Katastrophenszenarien dominierten öffentlichen Debatte faktisch für Deutschland als Möglichkeit beerdigt worden“. Angesichts der gegenwärtigen Situation müsse aber „die sorgfältige und ergebnisoffene Prüfung aller denkbarer Optionen zur Minderung der Gas-Importabhängigkeit von Russland ein gemeinsames Ziel von Land und Bund sein“.

Es sei auch ein Gebot der Fairness, das Frackingverbot zu prüfen: „Als Energieimporteur blenden wir das Risiko, das in anderen Ländern für die Gewinnung von Rohstoffen kalkuliert wird, gerne aus. Durch Fracking gewonnenes Gas findet etwa über die neuen LNG-Terminals den Weg aus den USA nach Deutschland“, schreibt Pinkwart. „Dass wir scheinbar nicht bereit sind, unsererseits mehr energiepolitische Verantwortung zu übernehmen, wirkt nun vollends aus der Zeit gefallen. Nicht gern Gesehenes in andere Länder outzusourcen, ist eine Strategie, die auch moralisch“ der von Kanzler Olaf Scholz ausgerufenen „Zeitenwende“ nicht gerecht werde.

Foto: Erdgas, über dts Nachrichtenagentur

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1 Kommentar

  1. Horst Rüter
    27. Juni 2022 um 18.25

    Fracking ist für mich der krasseste Fall dafür, wie angesichts eines irregeleiteten Blocks aus Politik, Medien und NGOs die Wissenschaft nicht mehr zur Sprache kommt. Im Gegensatz zu vielen anderen Themen ist sich beim Fracking die Wissenschaft einig, dass es sich nicht um eine Hochrisikotechnologie handelt. Sie werden keinen renommierten Geowissenschaftler finden, der das anders sieht. Angefangen vom Fakefilm ‚Gasland‘ mit dem einprägsamen brennenden Wasserhahn hat sich aber das alles angebahnt was letztlich zu einer Gehirnwäsche der Politik und einer breiten Öffentlichkeit führte. Als wir unser zweites Gutachten beim Umweltbundesamt abgegeben hatten (zu dem ich das Kapitel zu den Erdbeben schreiben durfte) mussten wir am nächsten Tag in der Pressemitteilung der Präsidentin des UBA lesen, dass die Gutachter Fracking als hochrisikoreich ansehen. Da dies aber im Gutachten nirgendwo steht haben wir protestiert aber von der Präsidentin die Antwort bekommen, sie habe das Gutachten nicht gelesen und zitiere nur ihre Pressestelle. Die Pressestelle sagte, auch, sie haben das Gutachten nicht gelesen „ es könne aber ja nichts anderes drinstehen“. Das Ganze wurde dann von Panorama aufgearbeitet. Vielleicht schauen Sie dort nochmals nach.
    Den neueren Gutachten des BMBF geht es nicht besser. Schon die Zusammenfassung der Kommission verschärft gegenüber den Einzelgutachten und erst recht gilt dies für die politische Umsetzung. Da jedes Gutachten mehrere hundert Seiten hat liest das natürlich niemand. So relativiert sich eben dann die Aussage ‚united behind science‘.