Region

„2Drittel“: Krankenhäuser starteten Kampagne

Verantwortliche von 17 Kliniken aus Niedersachsen haben in Oldenburg mit der 2Drittel-Kampagne auf die Finanzsituation ihrer Häuser hingewiesen.

2Drittel-Kampange in der Oldenburger Innenstadt.
Foto: privat

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Oldenburg– Verantwortliche von 17 Kliniken aus dem Nordwesten Niedersachsens haben am Samstag, 26. Oktober, in der Oldenburger Innenstadt auf die angespannte Finanzsituation ihrer Häuser hingewiesen. Das war die Auftaktveranstaltung zu der landesweiten „2Drittel“-Kampagne.

53 Prozent der Häuser in der Region erwarten für dieses Jahr eine negative Bilanz, 27 Prozent ein neutrales Ergebnis und lediglich ein Fünftel von ihnen erwartet zum Jahresende ein positives Wirtschaftsergebnis, blickte der stellvertretende Direktor des Landes-Caritasverbandes für Oldenburg, Dr. Martin Pohlmann (Vechta), in die Zukunft. Doch nicht nur im Nordwesten, sondern in ganz Niedersachsen seien Kliniken in ihrer Existenz bedroht, sagte der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft, Helge Engelke (Hannover). In ein paar Jahren seien die Probleme so groß, dass die Versorgung nicht mehr gewährleistet werden könne. „Zahlreichen Krankenhäusern droht dann die Schließung von Abteilungen oder gar ganz das Aus“, so Engelke.

Mit zwei überdimensional großen geschlossenen und nur noch einer offenen Türe wurden die Bürger_innen Oldenburgs auf die angespannte Lage der Kliniken aufmerksam gemacht.

Anlässlich des regionalen Starts der landesweiten Kampagne „2Drittel“ – initiiert von der niedersächsischen Krankenhausgesellschaft – beklagte Pohlmann, dass die Lohnsteigerungen nicht refinanziert würden. „Die Mitarbeiter sind am Ende angekommen“, sagte Pohlmann, zugleich Vorsitzender der NKG-Arbeitsgemeinschaft des Bezirks Oldenburg. Wären Kliniken ein Wirtschaftsunternehmen, so hätten manche ihren Standort schon aufgegeben, zeichnete der Krankenhausexperte ein düsteres Bild.

Grund sei die „Unterfinanzierung von Leistungen“. Fallpauschalen würden nicht die tatsächlichen Kosten der Behandlung decken, die Defizite der Kliniken würden von Jahr zu Jahr größer, sagte Engelke vor der Presse. Von Krankenkassen, Bund und Land forderte er daher mehr Geld. Auch sollten die Mitarbeiter des Gesundheitswesens als Leistungsträger wahrgenommen werden, denen bessere Löhne zustünden. „Die chronische und bewusste Unterfinanzierung trifft große Häuser genauso wie kleine“, widersprach der Geschäftsführer des Klinikums Oldenburg, Dr. Dirk Tenzer, dem gelegentlichen Argument von bloßen Managementfehlern als Grund der Misere. Tenzer: „Das System ist so aufgebaut, dass alle durch eine rote Türe gehen.“ „Wir brauchen mehr Geld im System“, forderte er in Richtung Krankenkassen, Bund und Land.

Eindringlich schilderte der stellvertretende Geschäftsführer des Krankenhauses Wittmund, Gerhard Bohlen, die Lage seines Hauses mit 142 Betten. Als einzige Klinik im Landkreis mit 57.000 Einwohnern und 800.000 Touristen im Jahr sei es bei einer durchschnittlichen Auslastung von 93 Prozent in Spitzenzeiten der Fall, dass sie nicht wüssten, wohin mit all den Patienten. Von einer Überkapazität kann in vielen Regionen Niedersachsens nicht die Rede sein. Bohlen weiter: „Die Mitarbeiter sind ausgesogen. Die können nicht mehr.“ Und die schizophrene Lage für sein Haus: Versorge die Klinik mehr Patienten als vereinbart, müsse sie 65 Prozent der Mehrerlöse zurückgeben.

Der für Niedersachsen niedrige Landesbasisfallwert, mit dem die Behandlungen verrechnet werden, ist ein weiterer Grund für die schlechte Situation. Gerhard Bohlen meint dazu: „Die Behandlung eines Armbruchs wird zum Beispiel in einer Klinik in Bremen höher vergütet als in Niedersachsen.“

Helge Engelke wies zum Schluss daraufhin, dass dies erst der Anfang der Aktion „2Drittel“ ist. „Es werden weitere Aktionen folgen, denn es muss bald zu einer Verbesserung der finanziellen Rahmenbedingungen kommen. Dass es bisher überhaupt noch funktioniert, haben wir allein dem hohen Einsatz des Krankenhauspersonals zu verdanken.“

Die Klinikleitungen der an der Aktion in Oldenburg beteiligten Krankenhäuser vertreten fast 12.000 Mitarbeiter. In diesen Häusern werden jährlich 500.000 Behandlungen durchgeführt, davon mehr als 180.000 stationär oder teilstationär.

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