Wirtschaft

Oldenburger Einzelhandel soll gestärkt werden

Werben für Heimat shoppen: Wilfried Kolodziej, Carola Havekost, Dieter Bunke und Dirk Eden.

Werben für „Heimat shoppen“ (von links): Wilfried Kolodziej, Carola Havekost, Dieter Bunke und Dirk Eden.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Oldenburg (Tobias Hadan) Mit der Kampagne „Heimat shoppen“ möchte die Oldenburgische Industrie- und Handelskammer (IHK) den stationären Handel fördern. Die massiven Veränderungen im Einzelhandel aufgrund der Online-Konkurrenz sollen dem Kunden bewusst gemacht werden. Am 8. und 9. September schließen sich 15 Werbegemeinschaften in zehn Orten im Oldenburger Land zusammen, um auf die Rolle des stationären Handels für den Bürger hinzuweisen.

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„Der stationäre Handel hat nach wie vor eine große Bedeutung. Ohne den Handel würde es uns an Lebensqualität fehlen“, erklärt IHK-Geschäftsführerin Carola Havekost. Im IHK-Bezirk gibt es rund 10.000 Handelsbetriebe. Mit 848 Auszubildenden von insgesamt 3535 Lehrlingen ist der Handel außerdem der größte Ausbilder. Darüber hinaus beschäftigt der Handel aktuell 57.402 Personen inklusive der Kfz-Stellen.

Die 15 teilnehmenden Handels- und Gewerbevereine haben es sich an den beiden Aktionstagen zum Ziel gesetzt, den Einzelhandel mit verschiedenen Aktionen zu unterstützen. Die IHK stellt den Händlern dafür Flyer und Einkaufstaschen für die Kunden zur Verfügung. Ihnen soll vor Augen geführt werden, dass sie mit ihrem Einkauf die Stadt gestalten und beeinflussen können. Auch soll verdeutlicht werden, dass der Einzelhandel, die Dienstleister und die Gastronomie für die Stadt und die Gemeinde eine wichtige Rolle spielen. Sie sind Ausbilder, Arbeitgeber und Sponsoren.

Die Zunahme des Onlinehandels würde vielen Einzelhändlern zu schaffen machen, so Havekost. Deswegen sei es umso wichtiger, die Vorteile des Handels vor Ort herauszustellen. Eine entscheidende Rolle spiele beim stationären Handel vor allem die Unmittelbarkeit. Die Aktion möchte zeigen, dass Produkte angefasst und anprobiert werden können. „Es muss klar werden, dass es bei stationärem Handel nicht nur um das bloße Verkaufen geht. Durch den Kontakt mit dem Kunden und der persönlichen Beratung wird zusätzlich auch eine Nebenleistung erbracht“, sagt Wilfried Kolodziej, Vorsitzender der Werbegemeinschaft „Die Kreyenbrücker“.

In Nordrhein-Westfalen wurde die Kampagne „Heimat shoppen“ bereits 2014 ins Leben gerufen und von der IHK übernommen. Zunächst waren nur 14 Kommunen beteiligt, im letzten Jahr waren es bereits 150. Auch im Oldenburger Land soll die Initiative wiederholt werden. „Eine Einmalaktion ist bei dieser Kampagne nicht zielführend“, erklärt Havekost.

Für Havekost ist jedoch auch klar, dass der Handel auch selbstkritisch sein muss. Hierfür bietet die IHK den sogenannten Ladencheck an. Laut einer neuen Studie des Instituts für Handelsforschung gibt es schließlich auch gute Neuigkeiten für den Einzelhandel: Konsumenten tendieren dazu, sich im Internet über Produkte zu informieren und diese schließlich im Laden zu kaufen.

Weitere Informationen zum Thema „Heimat shoppen“ gibt es unter www.ihk-oldenburg.de.

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9 Kommentare

  1. Markus
    30. August 2017 um 18.23 — Antworten

    Lokal kaufen? Gerne – wenn man mich lässt. Lebensmittel möchte man gerne vorher sehen und ggfs. auch probieren (Wochenmarkt), Klamotten und Schuhe wollen anprobiert werden. Aber dann wird es schon schwierig.
    Bücher? Ich lese viel und gerne, aber Bücherkauf in Oldenburg ist eine Qual. „Hamwanich“ und „Kriegenwanichwiedarein“. Was bin ich schon durch die Oldenburger Buchläden getingelt mit der ISBN in der Hand. „Aber vielleicht möchten Sie etwas anderes?“ Nein, deswegen habe ich ja die ISBN mitgenommen. Egal, Thalia bestellt, Amazon auch.
    Schallplatten, CDs und auch DVDs. Wo bitte kann ich da lokal fündig werden, und zwar abseits der Charts? Selbst JPC war extrem schlecht sortiert. MTS ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber auch sie müssen vieles bestellen. Das kann ich dann auch gleich selbst erledigen.
    Bei Unterhaltungselektronik sieht die Sache ganz düster aus. Gerade zwei ernstzunehmende Händler (Hifi&Hifi, Mainstreet Audio), die aber auch auf ihre paar Hausmarken beschränkt sind. Meine neuen Verstärker vor zwei Jahren musste ich dann leider online bestellen. Demnächst sind neue Lautsprecher fällig und ich bezweifle stark, dass ich die in Oldenburg bekommen kann.
    Als jemand, der sich beruflich und auch privat mit Elektronik beschäftigt, ist Oldenburg eine einzige Wüste. Der kleine Laden in der Alexanderstrasse ist gut für 08/15-Teile zu Apothekenpreisen, aber wer mehr braucht als einen Schalter oder eine Buchse bestellt dann doch lieber bei reichelt. Die haben schon geliefert, während man in der Alexanderstrasse noch grübelt, was das denn überhaupt ist.
    So, genug gerantet. Das Problem ist nicht der böse Onlinehandel, sondern der verschlafene stationäre Handel. Statt in die Puschen zu kommen wird aber lieber gejammert. Klar, der Kunde ist König – ihm wird aber recht schnell klargemacht, dass die Monarchie seit 1918 Geschichte ist.

    • Manfred Murdfield
      31. August 2017 um 14.43 — Antworten

      Ein Schelm, der böses dabei denkt, Metropolregion ist die politische Wahrnehmung, Metropolprovinz die Realität. Demnächst ist ja Wahl, aber ob die Kandidatinnen solche Probleme nachvollziehen können oder wollen, ich weiss ja nicht.

  2. W. Lorenzen-Pranger
    31. August 2017 um 10.50 — Antworten

    Es ist für den Kunden ziemlich egal, wieviel Leute da tätig sind, wie viel Auszubildende usw. Für den Kunden zählt einzig der Service, nicht eine Tragetasche mit einem hausbackenen, fast peinlichen, Aufdruck.
    Wann lernt der Einzelhandel vor Ort endlich vernetzt zu sein und für den Kundenwunsch sofort am PC zu stehen um die verlangte Ware zu ordern? Natürlich kann ein Ladengeschäft nicht jeden Artikel am Lager haben – aber er hat doch die Möglichkeit diese Artikel aus dem Großhandel sofort und noch im Beisein des Kunden zu bestellen. Mit Libri dauert das, nur ein Beispiel, bei Büchern, CDs und Filmen im Normalfall einen Tag. Warum kann der übrige Handel nicht, was ich selbst als Kunde doch längst zu Hause kann?
    Wann lernen die es endlich?
    Wenn ich mir diese Pausbäckchen auf dem Foto da oben so ansehe, dann lernen die es nie. Wie sagte mal einer, ein „Fachhändler“, zu mir? „Dafür habe ich keinen Lieferanten“? Wie bitte? Ich als Kunde aber schon – und dann ganz sicher mehr als fünf verschiedene Anbieter für fünf verschiedene Hersteller zwischen denen ich wählen kann?
    Buy local. Gerne, wenns denn doch nur – endlich mal – funktionieren würde!

  3. Karl
    31. August 2017 um 18.29 — Antworten

    Für Chili con Carne bringe ich mir gelegentlich von Karstadt in Bremen ein Päckchen schwarze Bohnen mit, die es in dieser Qualität selbst in Oldenburger Asia-Läden nicht gibt. Ansonsten finde ich den Oldenburger Einzelhandel ganz oK.

  4. Manfred Murdfield
    31. August 2017 um 19.56 — Antworten

    Gemäss unserer Raumordnungsvorschriften ist Oldenburg ein „Oberzentrum“. Unter vielen anderen damit verbundenen Verbindlichkeiten gehört die Versorgung mit Waren sowohl des täglichen, des mittelfristigen und des langfristigen Bedarfs, auch für das (weitere) Umland, zu den Verpflichtungen von Wirtschaft und Handel. Ob das erfüllt ist, ist vielleicht relativ und sei dahingestellt, aber nun kann niemand gezwungen werden, einen Laden aufzumachen, und so gibt es Waren, die in Oldenburg eben nicht nach jedermanns Empfinden und Geschmack (und Geldbeutel) zu bekommen sind. Und also wenn der hiesige Handel über die Internet-Konkurrenz jammert, dann sollte er sich an seine eigene, biedere Nase fassen.

  5. Jörg K.
    7. September 2017 um 23.33 — Antworten
    • Manfred Murdfield
      8. September 2017 um 7.53 — Antworten

      Die „Raumordnung“, (abgesehen mal von der Bundesraumordnung), vertikal von der Landesplanung bis zum Flächennutzungsplan und die s.g. „freie Marktwirtschaft“ sind eben nicht die besten Freunde, dazu kommen Kompetenzgerangel von Bürokratie und politischer Abgrenzungsbedürfnisse. Planwirtschaft oder ein kreatives Recht des Stärkeren, den Kunden in Stadt und Land hilft das wohl im Zweifel ebenso wenig wie dem Einzelhandel. Kleinräumige Bemühungen, diesen zu „stärken“, sind wohl eher Beschäftigungstheorien.

  6. W. Lorenzen-Pranger
    8. September 2017 um 9.49 — Antworten

    Allein der Werbespruch ist der Hammer. Erst Deutschtümelei nach Art der Hardcore-Rechten – „Ich bin Heimat“ – und dann der „Shopper“. Denglisch-Murks für geistig endgültig Voll-Verarmte. Ich würde so eine Tüte erstmal von außen nach innen wenden, damit ich mit dem peinlichen Aufdruck nicht noch ausgelacht werde – wenn ich sie denn überhaupt annehmen würde…

  7. Karl
    8. September 2017 um 11.11 — Antworten

    Im Foyer der Mensa Uhlhornsweg gibt es einen Verkaufsautomaten, in dem auch zum Einkaufen geeignete Stoffbeutel „mit starkem Spruch“ (hehe) angeboten werden. Vielleicht für die Kommentatoren von Interesse.

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