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„Sonne“ bricht in technisch neues Zeitalter auf

Das neue Tiefseeforschungsschiff Sonne wird Montag in seinem Heimathafen Wilhelmshaven offiziell an die Meeresforschung übergeben.

Das neue Tiefseeforschungsschiff „Sonne“ wird Montag in seinem Heimathafen Wilhelmshaven offiziell an die Meeresforschung übergeben.
Foto: Badewien

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Oldenburg / Wilhelmshaven (zb) – „Sonne“ heißt das neue Flaggschiff der deutschen Meereswissenschaft, das Montag, 17. November, offiziell in seinem Heimathafen Wilhelmshaven von Bundesforschungsministerin Dr. Johanna Wanka an die Forscher übergeben wird. Es löst damit seinen gleichnamigen Vorgänger ab, der seit 35 Jahren im Dienst war. Mit der neuen „Sonne“ beginnt somit technisch gesehen ein neues Zeitalter. Montagnachmittag kann es besichtigt werden.

Das 116 Meter lange und 20 Meter breite schwimmende Forschungslabor mit einem Tiefgang von 6,40 Meter und einer Arbeitsfläche von 600 Quadratmetern erfüllt alle Voraussetzungen für Forschung auf höchstem Niveau. Heimatinstitut des bis zu 15 Knoten schnellen Schiffs ist das Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) der Universität Oldenburg, deren Logo auf dem Schiffsschornstein prangt. Das umweltfreundliche und energieeffiziente Schiff ist zudem mit sechs Kränen, zwei Schiebebalken und einem A-Rahmen für bis zu 30 Tonnen schweren Geräten ausgestattet und bietet Platz für 40 Wissenschaftler und 35 Besatzungsmitglieder. Ab 2015 wird die „Sonne“ in ihren primären Einsatzgebieten, dem Indischen und Pazifischen Ozean, für wissenschaftliche Expeditionen zur Verfügung stehen. Beide Weltmeere haben großen Einfluss auf das Weltklima, weshalb ihre Erforschung immer wichtiger wird.

124 Millionen Euro hat das von der Papenburger Meyer Werft auf der Neptun Werft, dem Schwesterschiffsbaubetrieb der Meyer Werft, gebaute Schiff gekostet. 90 Prozent der Kosten hat der Bund übernommen. Die verbleibenden zehn Prozent übernahmen die Länder Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Das Forschungsschiff steht allen meereswissenschaftlichen Disziplinen zur Verfügung.

„Die ‚Sonne‘ ist einzigartig in Europa“, sagt Prof. Dr. Oliver Zielinski vom ICBM, der das Schiff bereits im Vorfeld erprobt hat. Bereits ab 2015 wird es auf den Meeren unterwegs sein, um den vom Menschen verursachten Klimawandel und deren Folgen zu erforschen sowie nach maritimen Rohstoffen zu suchen. So wird der Meeresboden kartiert, Bakterien analysiert oder Mineralien untersucht. Feinste Echolotsysteme, Tauchroboter und die nötige Technik, um Messergebnisse zu bündeln und auszuwerten, befinden sich an Bord.

Ein Knopfdruck genügt und die „Sonne“ hält ihre genaue Position, weil sie über das „Dynamische Positioniersystem“ (DP) verfügt. Computer steuern die Antriebe, berücksichtigen dabei die speziellen Eigenschaften des Schiffes, Strömung und Winde, so dass es möglich ist, Geräte auf dem Meeresboden abzusetzen und das Schiff exakt über ihnen zu halten. Darüber hinaus verfügt es über ein ferngesteuertes Unterwasserfahrzeug ausgestattet mit Videokameras und Greifern, um Proben aller Art zu entnehmen. Mit einem Wasserschöpferkranz können Wasserproben aus jeder beliebigen Tiefe entnommen werden. Sobald die Probe entnommen ist, schließen sich die Probeflaschen automatisch.

Doch bevor die „Sonne“ in See sticht, öffnet sie Interessierten am Montag, 17. November, von 14 bis 19 Uhr die Türen zu einem Rundgang durch Labore, Kabinen, Messe, Arbeitsdecks und Brücke. Vorträge, Filme, eine Ausstellung und Mitmachaktionen bieten einen Eindruck davon, wie Besatzung und Wissenschaftler an Bord des modernsten deutschen Forschungsschiffes arbeiten und leben werden.

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