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Bürgerenergie Marktführer bei erneuerbaren Energien

Georg Litmathe und Harald Lesch vom Genossenschaftsverband Weser-Ems begrüßten Wirtschaftsminister Olaf Lies beim Genossenschaftstag in Rastede.

Georg Litmathe (links) und Harald Lesch (rechts) vom Genossenschaftsverband Weser-Ems begrüßten Wirtschaftsminister Olaf Lies beim Genossenschaftstag in Rastede.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Rastede (zb) „Es gibt keine Alternative zur Energiewende, und es gibt noch viel zu tun“, erklärte Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies gestern in Rastede auf dem 6. Genossenschaftstag Weser-Ems zum Thema „Bürgerenergie als Treiber der Energiewende“.

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Rund 100 Vertreter aus über Kommunen und Landkreisen sowie Wirtschaftsfördereinrichtungen waren der Einladung des Genossenschaftsverband Weser-Ems gefolgt und informierten sich über Bürgerenergie, die mittlerweile zum Marktführer der erneuerbaren Energien geworden ist. „Denn etwa 50 Prozent des in Deutschland erzeugten Ökostroms wird mit Anlagen produziert, die Bürger gehören“, berichtete Verbandsdirektor Georg Litmathe. 130.000 Bürger halten derzeit Anteile an gemeinschaftlich betriebenen Anlagen zur regenerativen Strom- und Wärmeerzeugung. Allein in Weser-Ems gibt es 131 Energie-Genossenschaften.

Die Energiewende werde aber nur dann gelingen, wenn die Bürger mitgenommen würden. Sie seien schließlich Kunden, Nachbarn, Eigentümer und Investoren beim Umbau der Energieversorgung, erklärten Litmathe und Lies übereinstimmend und warnten eindringlich vor der ab 2017 vor den von der Bundesregierung vorgesehenen europaweiten Ausschreibungskriterien, die nach jetzigem Stand nur großen Konzernen dienen würden. „Wir brauchen politische Rahmenbedingungen, damit auch engagierte Bürger Großprojekte stemmen können“, stellte Lithmathe klar. „Was derzeit von der Regierung vorgeschlagen wird, ist eine Rolle rückwärts zu den frühen oligopolitischen Strukturen in der Energiebranche.“

Litmathe sprach sich für großzügige Ausnahmen für regionale Energieprojekte mit Bürgerbeteiligung aus. Hier müsse eine Freigrenze eingeräumt werden in Höhe von 300 Millionen Euro Investitionsvolumen. Ansonsten sei die Energiewende gefährdet. Der Minister teilt die Bedenken und forderte alle Anwesenden auf, sich vehement gegen das Vorhaben der Regierung zu wehren und die Energieerzeugung nicht Konzernen zu überlassen. „Ansonsten könnten die geplanten Ausschreibungen das Ende der Bürger-Energieprojekte bedeuten. Die Energiewende kann aber nur in Gemeinschaftsarbeit erreicht werden“, stellte Lies klar.

Der Minister wundert sich über die gegenwärtige Debatte über erneuerbare Energien. „Erneuerbare Energien sind absolut marktfähig“, sagt er und betont, dass er lieber auf den Windpark in seinem Heimatort Sande blickt als auf ein Atomkraftwerk an der Unterweser. Zudem erinnert er daran, dass die oft gelobten Kern- und Kohlekraftwerke hoch subventioniert werden. „Hätten wir wie bei den erneuerbaren Energien alle Kosten und Folgekosten eingerechnet, wären die Energiekosten höher als heute.“

Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Niedersächsischen Landtag Björn Thümler hält es für begrüßenswert, Bürger mit einer Gewinnbeteiligung für den Bau neuer Stromleitungen einzubeziehen. Anteile könnten vorrangig den Eigentümern von Grundstücken oder den Bewohnern von Gemeinden angeboten werden, die vom Netzausbau betroffen sind, meint er. Durch eine direkte Beteiligungsmöglichkeit würde die Akzeptanz erheblich gesteigert, ist er überzeugt.

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