
Die Erste Bürgermeisterin Germaid Eilers-Dörfler hat während der Ratssitzung Oberbürgermeister Jürgen Krogmann vereidigt.
Foto: Anja Michaeli
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Oldenburg (zb) – Gestern ist Oldenburgs frisch gewählter Oberbürgermeister Jürgen Krogmann im Rahmen der Ratssitzung von der Ersten Bürgermeisterin Germaid Eilers-Dörfler vereidigt worden. Krogmann nahm das zum Anlass, dem Rat Grundsätzliches mitzuteilen.
Dazu gehörte das neue Miteinander, das er im Wahlkampf propagiert hatte. Damit sei keinesfalls ein Kuschelkurs gemeint, sondern ein veränderter Umgang miteinander geprägt von Respekt, Verständigung und Dialog. Der Rat, so erklärte er weiter, habe eine große Verantwortung und präge das Bild der Kommunalpolitik. Das neue Miteinander solle aber auch für den Umgang mit den Bürgern gelten. Sie forderte er auf, ihre Ideen mitzuteilen und sich am kommunalpolitischen Leben zu beteiligen. Gelegenheit dazu besteht bereits Anfang 2015, dann wird Krogmann die Bürgerwerkstatt zum Fliegerhorst eröffnen.
„Hier haben wir vermutlich die einmalige Chance, einen Stadtteil ganz neu zu entwickeln“, sagte er und machte sich für ein faires Verfahren stark, in dem der Bürgerwille eine wichtige Rolle spiele. Zugleich betonte er, die doppelte Stadtbürgerschaft der Oldenburger zu pflegen. „Wir sind eben nicht nur Oldenburger, sondern auch Krusenbuscher, Ofenerdieker, Osternburger usw.. Diese Identitäten möchte ich erhalten und deshalb werden wir miteinander Rahmenpläne für die Stadtteile unter Einbeziehung der Bürger und hoffentlich vieler Kinder und Jugendlicher anschieben“, kündigte er an. Den Anfang macht Osternburg.
Das neue Miteinander sollen auch Oldenburgs Nachbarn schnell spüren, indem die Stadt auf sie zugeht. „Als wirtschaftliches, wissenschaftliches und kulturelles Zentrum ist es unsere Verpflichtung, gute nachbarschaftliche Verhältnisse zu pflegen“, betonte er und forderte den Rat auf, ihn dabei aktiv zu unterstützen. Das gelte auch für die internationalen Beziehungen. Gemeinsam mit dem Rat werde er klären, in welchem Umfang, mit welchem Aufwand und Zielen sie gepflegt werden sollen. „Ich toure nicht allein durch die Welt und betreibe keinen reinen Oberbürgermeistertourismus“, versicherte er. „Das machen wir nur gemeinsam.“
Bildungspolitik wird ganz oben auf seiner Agenda stehen. Dazu gehört eine gute Ausstattung der Schulen, die Umwandlung von Grundschulen in Ganztagsschulen nicht zuletzt als wichtiger Baustein für die Vereinbarung von Beruf und Familie sowie die Fortführung der Inklusionsbemühungen auf allen Gebieten städtischen Lebens. Eine inklusive Stadt, also Teilhabe und keine Ausgrenzung, strebt er auch bezüglich der Flüchtlinge in der Stadt an. „Nur eine inklusive Stadt kann weiterhin erfolgreich agieren“, ist Krogmann überzeugt und begrüßte die Zuwanderung als Bereicherung. Immerhin 19 Prozent der Oldenburger haben einen Migrationshintergrund. Bei den Drei-bis Sechsjährigen sind es bereits 30 Prozent.
Er sprach den Bürgern, dem Rat und der Verwaltung diesbezüglich ein großes Lob aus. Sie alle wüssten, dass ein Dach über dem Kopf und ein warmes Essen für Zuwanderer nicht ausreichen. Bildung und Arbeit, Freizeitmöglichkeiten und Kultur gehören zu einem menschenwürdigen Leben selbstverständlich dazu. Genau dafür würden sich viele Oldenburger einsetzen und Einigkeit demonstrieren.
Er kündigte eine Verbesserung der Kommunikation zwischen Verwaltung und Schulen an. „Als Verwaltung müssen wir auch mal Kritik aushalten“, meinte er. Bei den Kita-Gebühren sei man auf einem sehr guten Weg. Die Eltern hätten sich vorbildlich engagiert und konstruktiv eingebracht. Krogmann sprach von einem Musterbeispiel, das Respekt verdiene.
Die Wohnungsbaupolitik macht der neue Oberbürgermeister zur Chefsache. Die Dynamik der Stadt sein erfreulich, aber wenn die Stadt wachse, müsse es eben auch bezahlbaren Wohnraum geben. Gleichwohl meinte er selbstkritisch, dass die Verwaltung die Latte im Wohnungsbau nicht zu hoch gelegt werden dürfte und somit ein Zielkonflikt initiiert würde. „Hier ist künftig Fingerspitzengefühl gefragt“, so sein Fazit.
Als große Herausforderung bezeichnete er den demografischen Wandel. 18 Prozent der Oldenburger seien 65 Jahre und älter mit steigender Tendenz. Es sei Aufgabe der Stadt, die Lebensqualität älterer Menschen zu sichern. Deshalb werde er eine entsprechende Stadtteilentwicklung auf den Weg bringen.
Um all das realisieren zu können, will er sich als erster Wirtschaftsförderer betätigen. Handel, Dienstleistung und Handwerk bildeten das Rückgrat der städtischen Wirtschaft. Er wolle die dynamische Wirtschaftsentwicklung fortsetzen und gemeinsam mit der Wirtschaft und den Kammern eine Fachkräfteinitiative starten, um neue Fachkräfte zu gewinnen und zu sichern.
Schließlich will er eine enge Zusammenarbeit mit der Jade Hochschule und der Universität Oldenburg pflegen und für wissenschaftsnahe Unternehmen Ansiedlungsflächen zur Verfügung stellen. Konkret nannte er die Fortentwicklung der Medizinischen Fakultät auf dem ehemaligen AEG-Gelände in Kreyenbrück. Abschließend erwähnte er die Altpapiersammlung und seine Absicht, den Konflikt zu schlichten. Ein erstes Gespräch sei geführt, weitere sollen folgen.
Und bezüglich des Haushalts sprach er Klartext. „Da stellt sich die Lage nicht rosig sondern sehr ernst dar. Es fehlen uns zehn Millionen Euro“, erklärte er und forderte den Rat auf, gemeinsam mit der Verwaltung nach einer Lösung zu suchen. Das soll eine akzeptable Mischung aus investieren und sparen sein mit dem Ziel, „Oldenburg in eine gute Zukunft zu führen, was nur gemeinsam geht.“
