
Oberbürgermeister Jürgen Krogmann, Dr. Sebastian Lehnhoff, Dr. Martin Fränzle sowie Roland Hentschel und Klaus Wegling (beide Wirtschaftsförderung) (von links) möchten Oldenburg auf den Weg zur „Smart City“ bringen.
Foto: Muhannad Mhisen
Oldenburg (am) – Telemedizin, automatisierte Autos und Energie, die beim Nachbarn „geparkt“ werden kann: Smart City könnte die Zukunft der Stadtbewohner sein. Gemeinsam mit dem Informatikinstitut OFFIS möchte die Stadt Oldenburg auf dem ehemaligen Fliegerhorst das Experiment wagen und Smart City-Technologien in der realen Welt testen. Zurzeit werden interessierte Unternehmen und Partner aus der Forschung für das Projekt gesucht.
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„Durch den gezielten Einsatz von IT-Technik auf der Basis von Vernetzung können neue, effizientere Antworten auf Fragen des städtischen Zusammenlebens und der Stadtentwicklung gegeben werden“, gibt Oberbürgermeister Jürgen Krogmann als Grund für das Engagement an. Die Smart City-Technologien sollen in Oldenburg übergreifend und umfassend zum Einsatz kommen. Die Stadt will in den Bereichen Energie, Verkehr, Verwaltung und Lebensqualität die Chancen und Perspektiven des Einsatzes testen und damit Vorreiter und Forschungslabor für zukünftige Lebensart und eine neue Bewegungswelt werden. Zurzeit erstellt OFFIS ein Strategiepapier, um die Ziele und Maßnahmen zu formulieren. Bei dem konkreten Modellprojekt „Living Lab“ werde es um zukunfts- und altersgerechtes Wohnen, teilautomatisiertes Fahren, Gesundheit, die gemeinsame Nutzung von Ressourcen und die notwendigen Infrastrukturen gehen, erklärt Prof. Dr. Sebastian Lehnhoff, Vorstand des Forschungsbereichs Energie im OFFIS. „Das ‚Living Lab‘ wird Vorzeigecharakter durch die Integration der Einzeltechniken haben“, so Lehnhoff.
„Living Lab“
Das „Living Lab“ soll auf einem drei Hektar großen Gelände auf dem ehemaligen Fliegerhorst, das Platz für Wohnbebauung und Gewerbe bietet, umgesetzt werden. Das sei einmalig in Niedersachsen, betont Krogmann. Während es beispielsweise bei den Mobilitätslösungen vornehmlich um den Autobahnverkehr geht, sieht Prof. Dr. Martin Fränzle, Bereichsvorstand Verkehr im OFFIS, hier die Chance, auf kleinem Raum tätig zu werden. „Entscheidend ist die Frage, ob die Bewohner die Technologie annehmen werden“, so Fränzle. Das soll im Dialog mit den Menschen ausprobiert werden. „Das ‚Living Lab‘ wird helfen, die Wünsche der Bevölkerung zu verstehen und maßgeschneiderte technische Lösungen anzubieten“, so Fränzle. Die Industrie habe großes Interesse an dem Modellprojekt, denn erst die gemeinsame Erprobung verschiedener Technologien im realen Leben wird die Probleme aufzeigen. Oberbürgermeister Jürgen Krogmann sieht in dem Experiment eine „große Chance für den Wirtschaftsstandort Oldenburg“. „Oldenburg kann sich so zu einem Innovationsstandort für Applikationsanwendungen und nachhaltigen Smart City-Konzepten entwickeln, mit der die Stadt überregional an Profil gewinnt“, fasst Krogmann zusammen.
Als Bewohner wünschen sich die Forscher einen Querschnitt durch die Bevölkerung, die in die 60 bis 70 Wohneinheiten einziehen soll. „Auch wenn natürlich technikaffine Menschen sicherlich von dem Projekt eher angezogen werden“, sagt Fränzle. Die Bedenken und die Kritik der Teilnehmer an ihrem digitalisierten Leben sollen ebenfalls thematisiert werden – beispielsweise durch Forschung der entsprechenden Fachbereiche der Universität.
Fahrplan für Smart City Oldenburg
Heute wollen die Akteure ihre Pläne dem Ausschuss für Wirtschaftsförderung vorstellen. Ende des Jahres beziehungsweise Anfang 2017 beginnt die Bauleitplanung für den Fliegerhorst. Der Bereich für das „Living Lab“ wird zunächst nicht beplant und für das Projekt freigehalten. Erste technische Anforderungen wurden bereits erarbeitet. Zurzeit werden Partner für das Modellprojekt gesucht. Noch stecken die Ideen für eine Smart City Oldenburg in den Kinderschuhen, die Finanzierung des „Living Lab“ ist noch nicht geklärt und auch der wichtige Aspekt der Bürgerbeteiligung wurde heute nicht angesprochen. „Es sind noch eine Menge Fragen offen“, so Krogmann.
Smart City
Für den Sammelbegriff Smart City gibt es noch keine einheitliche Definition, wenngleich die meisten Ansätze den Einsatz neuer Technologien einbeziehen. Ziele sind Klimaschutz, Steigerung der Lebensqualität, Inklusion, Ressourceneffizienz, höhere Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft und mehr Partizipation / Bürgerbeteiligung. Durch die Vernetzung – insbesondere durch Informations- und Kommunikationssystem – soll der Alltag in allen Lebensbereichen einer Stadt erleichtert werden und für ökologisch nachhaltige Lösungen sorgen. In den Diskussionen über den Einsatz der „smarten“ Technologien steht die damit verbundene Datenerfassung und -nutzung in der Kritik.
Smart City-Projekte
In Südkorea, Abu Dhabi und Japan gibt es bereits Planstädte und Modellsiedlungen (New Songdo City, Fujisawa Sustainable Smart Town, Masdar City) in denen die intelligente neue Welt Realität wird. Große Unternehmen fördern diese Versuche. In Europa hingegen wird eher an einzelnen Bauteilen geforscht und gearbeitet. Das Projekt Telekom-City „T-City“ in Friedrichshafen, das nach fünf Jahren im Frühjahr 2015 abgeschlossen wurde, wurde zwar wegen des Lerneffektes mit einem positivem Fazit bedacht, allerdings konnte die Bevölkerung nicht wie gewünscht begeistert und beteiligt werden. Hier wurden neueste Informations- und Kommunikationstechnologien getestet.
Weitere Informationen
www.morgenstadt.de
www.goethe.de
www.friedrichshafen.de
www.ict-smart-cities-center.com
