Menschen

Uwe Schwettmann: Herz schlägt für Kleinkunst

Uwe Schwettmann gründete vor 24 Jahren Kultur nord.

Uwe Schwettmann gründete vor 24 Jahren „Kultur nord“.
Foto: privat

Oldenburg (zb) Wenn in Lemwerder oder Tossens riesige Drachen am Himmel tanzen, dann hat Uwe Schwettmann seine Hände im Spiel. Der 57-Jährige wollte ursprünglich Berufsschullehrer werden, doch dann gründete er „Kultur nord“.

Anzeige

LzO Vorsorge

Der studierte Betriebswirt kam Mitte der 1980er Jahre nach Oldenburg, um an der Universität ein Berufsschullehrerstudium aufzunehmen. Schnell wurde klar, dass Lehramtsstudierende damals sehr schlechte Aussichten auf eine Anstellung hatten. In dieser Situation begegnete er Dr. Christian Wopp, Leiter des Hochschulsports, der wegen seiner unkonventionellen Ideen auf sich aufmerksam machte und später Professor an der Universität Osnabrück wurde.

Uwe Schwettmann engagierte sich im Hochschulsport, entdeckte sehr schnell sein Organisationstalent und seine Vorliebe für Kleinkunst. Als das Europäische Jonglierfestival 1990 vom Verein für Hochschulsport in Oldenburg unter der Leitung von Christian Wopp ausgerichtet wurde, bekam er seine große Chance. „Ich war maßgeblich an der Organisation beteiligt und spürte, das ist mein Ding“, erinnert sich Uwe Schwettmann.

In ihm reifte zusehends die Idee, in diesem Metier beruflich tätig zu werden, anstatt Schüler zu unterrichten. „Christian Wopp hat mich damals maßgeblich in meinem Vorhaben bestärkt. Und nicht nur mich. Zahlreiche Kommilitonen warteten nach dem Studium vergeblich auf eine Lehrerstelle und machten sich selbstständig mit Ideen, die wir mit Christian Wopp entwickelt hatten“, erzählt er und nennt als Beispiel den „Spielefant“, „Zirkus Rämmi Dämmi“ oder auch „Fips Reisen“, die bis heute alle noch erfolgreich am Markt agieren.

1990 war es soweit. Uwe Schwettmann machte sich selbstständig. Dabei hing sein Herz eigentlich am Varieté. Doch dann entwickelte er die Idee der Drachenfeste und hatte schnell Standbeine in München, im Ruhrgebiet, an Ost- und Nordsee sowie auf den Inseln. „Damals habe ich Honne Dohrmann kennengelernt, der große Erfahrungen im Tanzbereich mitbrachte. Wir gründeten ‚Kultur nord‘ in Oldenburg und konnten auch sein Metier einbringen. Nach kurzer Zeit interessierte sich jedoch das Oldenburgische Staatstheater für Honne Dohrmann, der dort Tanzdirektor wurde.“ Fortan führte Uwe Schwettmann „Kultur nord“ allein und seine BWL-Kenntnisse kamen ihm dabei zugute.

„Mittlerweile hatte ich viele Kontakte zu Jongleuren, Akrobaten und Sandskulpturkünstlern. Ich bekam einen Auftrag für Tossens, der bombastisch lief“, erinnert er sich. Dann ging er mit seiner Idee nach Berlin, wo er gleich hinter der Mauer ein Sandskulpturenfestival auf die Beine stellte und unverhofft 70.000 Menschen kamen, womit er nie gerechnet hatte. Seine Idee sprach sich bundesweit herum, nicht nur andere Städte sondern auch Kaufhäuser wollten Sandskulpturen.

Weil Uwe Schwettmann ein ausgesprochener Kabarett-Fan ist, dachte er schon lange über Kabarett nach und rief deshalb die Kabarett-Tage in Oldenburg ins Leben, die bis heute regelmäßig zu Jahresbeginn stattfinden und eine große Fangemeinde haben. Er wirkte auch mit am „Traumschiff“ in der Oldenburger Kulturetage, das voll besetzt war mit Varietékünstlern. Kleinkunstfestivals und Firmenevents kamen hinzu und erst kürzlich hat er „Japz“ organisiert. Dahinter verbirgt sich Jonglage, Akrobatik, Pantomime und Zauberei in der Haarenstraße und entpuppte sich ebenfalls als Erfolg.

Der 57-Jährige ist in der Szene längst bekannt, kennt selbst zahlreiche Künstler im In- und Ausland, verfügt mittlerweile über viel Erfahrung und wird deshalb aus ganz Deutschland angefragt, Veranstaltungen zu organisieren oder Künstler zu vermitteln. Um unterwegs autark zu sein, reist er mit seinem Wohnmobil mit integriertem Büro zu den Events und bleibt so ständig mit seinen Kunden in Kontakt. Die Freude am Organisieren ist ihm bis heute geblieben.

„Ich habe die richtige Entscheidung getroffen“, sagt er rückblickend und ist seinem Mentor Christian Wopp, der vor zwei Jahren verstarb, bis heute dankbar dafür, dass er ihn in seinem Vorhaben bestärkt hat. „Kultur nord“, das steht fest, wird noch zahlreiche Veranstaltungen auf die Beine stellen und die Menschen damit einfach nur erfreuen und von ihren Alltagssorgen ablenken.

Vorheriger Artikel

Public Health: Inspiration und neue Perspektiven

Nächster Artikel

Neue Intensiveinheit im Evangelischen