Oldenburger Cäcilienbrücke im Zeitraffer.

Noch rollt der Verkehr über die Cäcilienbrücke, bis die Bauarbeiten für die neue Brücke beginnen.
Foto / Animation: Christian Kruse

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Oldenburg – Der notwendig gewordene Ersatz für die in die Jahre gekommene Cäcilienbrücke in Oldenburg sorgte in den vergangenen Monaten für emotionale Diskussionen über die Neugestaltung. Am kommenden Sonntag, 13. September, 10 bis 16 Uhr informiert das Wasserschifffahrtsamt (WSA) Bremen im Rahmen des Tages des offenen Denkmals über den aktuellen Zustand, das weitere Vorgehen und die Historie der Brücke, die seit 1927 das Oldenburger Stadtbild prägt. Durch zahlreiche Fotos wird die Geschichte lebendig, die OOZ-Redaktion bedankt sich beim WSA Bremen, dem Stadtmuseum Oldenburg und dem Geschichtskenner Helmuth Meinken.

Die Geschichte der Cäcilienbrücke

An der Stelle, an der heute die Cäcilienbrücke steht, befand sich bereits im Mittelalter eine Furt, die die Überquerung der Hunte von Bremen nach Friesland ermöglichte. Der dazugehörige Damm wurde bereits 1345 in der Stadtrechtskunde als bedeutend erwähnt. Das war ein mit Sand und Erde aufgeschüttete Knüppeldamm durch das Osternburger Moor, der Teil einer Handelsroute war, die bereits im Mittelalter von Westfalen über Oldenburg nach Bremen und Friesland führte und die Rolle der Stadt als Handelsplatz stärkte. „Ohne die Furt und den Damm hätte eine Burg keinen Sinn gemacht und Oldenburg hätte es nie gegeben“, erklärt Helmuth Meinken, Buchautor und Stadtführer. Bereits zu Zeiten von Graf Anton Günther (1583 bis 1667) wurde der Damm zu einer Steinstraße ausgebaut.

Im Laufe der Zeit wurde die Furt durch verschiedene Brücken über die vielen Huntearme ersetzt. „Vermutlich entstanden schon im 14. Jahrhundert die ersten Zugbrücken“, ist beim WSA Bremen nachzulesen. Erste Abbildungen der Brücke gibt es bereits aus der Zeit des Grafen Anton. Diese Steinbrücke wurde nach der Großherzogin Cäcilie (1807 bis 1844) – Prinzessin von Schweden und dritte Frau des Großherzogs (1783 bis 1853) benannt. Sie hatte drei Öffnungen mit je sechs Metern Weite. Die Brücke stellte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts die einzige Straßenverbindung von Oldenburg nach Bremen dar. Sie wurde mehrfach repariert, bevor man sie für den Bau des Hunte-Ems-Kanals (1855 – 1893) zu einer Klappbrücke für die Durchfahrt der Schiffe umbauen musste.

Vor 88 Jahren (1926 bis 1927) wurde dann die 30 Meter hohe Cäcilienbrücke über den neuen Küstenkanal gebaut, der für Schiffe mit einer Tragfähigkeit von bis zu 600 Tonnen befahrbar sein sollte. Als Architekt wurde der Regierungsbauminister Adolf Rauchheld (1868-1932) ausgewählt, der auch das Huntekraftwerk nahe der Schleuse gebaut hatte. Damals war die Oldenburger Hubbrücke die größte in Europa. „Sie ist ein Beispiel für die, für Rauchhelds Bauten typische, expressionistische Klinkerarchitektur der 1920er Jahre und stellt heute ein bedeutendes technisches Kulturdenkmal der Stadt Oldenburg dar“, erklärt der Autor und Stadtführer Helmuth Meinken. Die Besonderheit waren und sind die vier Brückentürme aus regionalem Klinker, die die Charakterzüge eines Stadttores tragen und bis heute das Stadtbild prägen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Cäcilienbrücke zum Teil durch Sprengung zerstört, um den alliierten Truppen den Übergang zu erschweren. Die Türme zur innenstädtischen Seite mussten nach dem Krieg neu gebaut und die gesamte Stahlkonstruktion ebenfalls ersetzt werden. Im Jahr 1948 war sie wieder völlig hergestellt.

Die Cäcilienbrücke

Die Cäcilienbrücke ist eine von fünf Straßenbrücken über die Hunte und den Küstenkanal. Sie ist die einzige Hebebrücke in Oldenburg und die zweitälteste noch funktionierende Hubbrücke Deutschlands. Sie verbindet die Straße Am Damm und die Bremer Straße miteinander. Die Cäcilienbrücke ist die älteste noch in Gebrauch befindliche Hubbrücke Deutschlands. Über Stahlseile wird sie für die Durchfahrt größerer Schiffe 3,50 Meter angehoben, dafür muss sie für den Autoverkehr zeitweilig gesperrt werden. Fußgänger und Radfahrer können über eine Treppe den Küstenkanal auch bei gehobener Brücke überqueren. Die Brücke hat eine Spannweite von 40,8 Metern. Die zweispurige Fahrbahn ist 5,50 Meter breit (gesamte Breite: 10,3 Meter). Die Türme, die das Gewicht des 240 Tonnen schweren Hubteils tragen müssen, stehen auf einem Pfahlrost aus Holzpfählen, die in den Boden getrieben wurden. Das Wärterhaus befindet sich mitten auf der Brücke, in einem Nebengebäude befindet sich das Schalthaus.

Betrieben wird die Brücke vom WSA Bremen. Während der Betriebszeit von 5 bis 21 Uhr (sonntags von 9 bis 21 Uhr) ist die Cäcilienbrücke ständig mit einem Brückenwärter besetzt. Er ist per Funk erreichbar. Kommt der vorrangige Schiffsverkehr, werden die Signale gesetzt, die Brücke für den Verkehr geschlossen und der Hebevorgang beginnt.

Das Problem

Heute würde man für den Bau einer solchen Brücke horizontale Erdanker einsetzen. Weil sie fehlen, hat sich der Abstand der Türme im Laufe der Jahrzehnte verringert. Deshalb verklemmt sich der Brückenüberbau besonders in den Sommermonaten zwischen den Mauerwerkstürmen und weitere Schäden entstehen. Außerdem kann der permanente Feuchtigkeitseintritt in das Mauerwerk nicht gestoppt werden, deshalb schreitet die Korrosion an den eingebetteten Stahlgerüsten voran und die Verbundwirkung zwischen Mauerwerk und Stahlgerüst geht verloren. Außerdem ist die Tragfähigkeit der Gründung bzw. Holzpfähle nicht mehr ausreichend. Das alles belastet auch die Brückenhebemechanik zunehmend. Der Antriebsmechanismus der Hubbrücke mit den vier Stahlseilen, die über große Rollen im oberen Geschoss der Brückentürme zu den im Innern der Türme befindlichen Gegengewichten laufen, ist größtenteils noch im ursprünglichen Zustand – also 88 Jahre alt. Viele der mechanischen Antriebe und Teile der Elektrik sind seit mehr als 60 Jahren im Einsatz.

Der Ersatz

Nachdem in den letzten Monaten Ideen zum Teilerhalt der Brücke untersucht wurden, hatte sich das WSA Bremen entschieden, den Ersatz der Cäcilienbrücke als Rekonstruktion auszuführen, mit möglichst originalgetreuem äußeren Erscheinungsbild. „Sowohl eine Instandsetzung des gesamten Bauwerks als auch ein Teilerhalt der Brücke wurden genau untersucht, kommen aber aufgrund der umfangreichen Bauwerksschäden nicht mehr in Betracht“, so das WSA. „Der Ersatz der Brücke soll möglichst originalgetreu erfolgen, sodass das technische Wahrzeichen für die Stadt Oldenburg erhalten bleibt.“ Mit den Planungen für den Ersatz der Brücke wurde begonnen. In einem ersten Schritt wird das WSA Bremen den Entwurf für die Bereitstellung der Haushaltsmittel erstellen und Ingenieurbüros beauftragen, die detaillierte technische Planung für die Rekonstruktion zu erarbeiten. Es ist geplant, in 2017 mit dem förmlichen Planfeststellungsverfahren zu beginnen. Bis zum Ersatz der Brücke muss das WSA Bremen weiterhin die Betriebssicherheit gewährleisten. Unmittelbar vor Beginn der Bauarbeiten zur Rekonstruktion der Cäcilienbrücke wird eine Behelfsbrücke für den Fußgänger- und Radfahrerverkehr errichtet. Das Restaurant „Cäcilie“ schließt im kommenden Monat, bevor die Bauarbeiten beginnen. (am)

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Quellen: Stadtführer und Buchautor Helmuth Meinken, WSA Bremen, Stadtmuseum Oldenburg und Wikipedia.

Aktuelle Informationen: www.caecilienbruecke.de.

Die Cäcilienbrücke von oben, 2014.

Die Cäcilienbrücke von oben, 2014.
Foto: WSA Bremen

Der Standort der heutigen Cäcilienbrücke (Markierung) um 800. Bereits im 11. Jahrhundert entschieden sich die Grafen von Oldenburg wegen der verkehrsgünstigen Lage an der Hunte-Furt eine Burg zu errichten.

Der Standort der heutigen Cäcilienbrücke (Markierung) um 800. Bereits im 11. Jahrhundert entschieden sich die Grafen von Oldenburg wegen der verkehrsgünstigen Lage an der Hunte-Furt eine Burg zu errichten.
Foto: Anja Michaeli

Topografisches Modell im Oldenburger Stadtmuseum um 1350. Wer die Hunte-Furt und den günstigen Verkehrsweg nutzen wollte, musste damals durch die Burg und Wegezoll zahlen.

Topografisches Modell im Stadtmuseum um 1350. Wer die Hunte-Furt und den günstigen Verkehrsweg nutzen wollte, musste damals durch die Burg und Wegezoll zahlen.
Foto: Anja Michaeli

Topografisches Modell im Stadtmuseum um 1550. Im Süden betrat man Oldenburg durch das Damm-Tor und die Grafenburg.

Topografisches Modell im Stadtmuseum um 1550. Im Süden betrat man Oldenburg durch das Damm-Tor und die Grafenburg.
Foto: Anja Michaeli

Topografisches Modells im Stadtmuseum um 1650. Vor der Stadt standen die Häuser der Leute am Damm.

Topografisches Modells im Stadtmuseum um 1650. Vor der Stadt standen die Häuser der „Leute am Damm“.
Foto: Anja Michaeli

Topografisches Modell im Stadtmuseum um 1750. Oldenburg wurde zur Königsfestung ausgebaut. Dazu mussten künstliche Wasserzüge und riesige Erdmassen verlegt und bewegt werden.

Topografisches Modell im Stadtmuseum um 1750. Oldenburg wurde zur „Königsfestung“ ausgebaut. Dazu mussten künstliche Wasserzüge und riesige Erdmassen verlegt und bewegt werden.
Foto: Anja Michaeli

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Der Damm von der Dammpforte bis zum Blauen Haus um 1618.

Der Damm von der Dammpforte bis zum Blauen Haus um 1618.
Quelle: Archiv Helmuth Meinken

Cäcilienbrücke vor 1896.

Zirka 1896.
Quelle: Archiv WSA

Die alte Steinbrücke um 1896.

Die alte Steinbrücke um 1896.
Quelle: Bildarchiv Stadtmuseum

Oldenburger Cäcilienbrücke vor 1896.

Vor 1896.
Quelle: Archiv WSA

Die Bedeutung der Cäcilienbrücke ist auch daran abzulesen, dass Postkarten verschickt wurden.

Um 1900. Die Bedeutung der Cäcilienbrücke ist auch daran abzulesen, dass Postkarten verschickt wurden.
Quelle: Bildarchiv Stadtmuseum

Die Ansicht aus Osternburger Sicht.

Die Ansicht aus Osternburger Sicht.
Quelle: Bildarchiv Stadtmuseum

Die Cäcilienbrücke um 1910 zierte eine Postkarte.

Die Cäcilienbrücke um 1910 zierte eine Postkarte.
Quelle: Archiv Helmuth Meinken

Um 1910: Kanalstraße mit der Vorgängerbrücke der Amalienbrücke.

Um 1910: Kanalstraße mit der Vorgängerbrücke der Amalienbrücke.
Quelle: Archiv Helmuth Meinken

Die Uferstraße im Jahre 1918.

Die Uferstraße im Jahre 1918.
Quelle: Archiv Helmuth Meinken

Cäcilienbrücke Ansicht Osternburg vor 1926.

Vor 1926.
Quelle: Archiv WSA

Cäcilienbrücke Küstenkanal vor 1926.

Vor 1926.
Quelle: Archiv WSA

Cäcilienbrücke Oldenburg vor 1926.

Vor 1926.
Quelle: Archiv WSA

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Die Brücke vor dem Neubau um 1926.
Quelle: Bildarchiv Stadtmuseum

Cäcilienbrücke Baufortschritt.

Der Bau der Cäcilienbrücke.
Quelle: Archiv WSA

Die Cäcilienbrücke wurde 1926 und 1927 gebaut.

Die Cäcilienbrücke wurde 1926 und 1927 gebaut.
Quelle: Archiv WSA

Die markanten Türme werden gebaut.

Die markanten Türme werden gebaut.
Quelle: Archiv WSA

1927: Die Cäcilienbrücke im Bau.

1927: Die Cäcilienbrücke im Bau.
Quelle: Archiv Helmuth Meinken

1927: Die Hubbrücke vor der Inbetriebnahme mit der Notbrücke.

1927: Die Hubbrücke vor der Inbetriebnahme mit der Notbrücke.
Quelle: Archiv Helmuth Meinken

Cäcilienbrücke nach dem Neubau 1927.

Nach dem Neubau 1927.
Quelle: Archiv WSA

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Blick von der Amalienbrücke.
Quelle: Archiv Helmuth Meinken

Die Cäcilienbrücke um 1935.

Die Cäcilienbrücke um 1935.
Quelle: Archiv Helmuth Meinken

Schon immer warteten die Oldenburger geduldig vor der geschlossenen Cäcilienbrücke.

Schon immer warteten die Oldenburger geduldig vor der geschlossenen Cäcilienbrücke.
Quelle: Bildarchiv Stadtmuseum

Ein Trollibus überquert die Cäcilienbrücke, zirka 1940.

Ein Trollibus überquert die Cäcilienbrücke, zirka 1940.
Quelle: Archiv Helmuth Meinken

Die Cäcilienbrücke um 1940.

Die Cäcilienbrücke um 1940.
Quelle: Archiv Helmuth Meinken

Auch Kühe wurden über die Cäcilienbrücke geführt. Ein Bild, das uns heute schon sehr verwundern würde.

Auch Kühe wurden über die Cäcilienbrücke geführt. Ein Bild, das uns heute schon sehr verwundern würde.
Quelle: Bildarchiv Stadtmuseum

Der Verkehr auf der Cäcilienbrücke um 1950.

Der Verkehr auf der Cäcilienbrücke um 1950.
Quelle: Bildarchiv Stadtmuseum

Die Cäcilienbrücke wird vom Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Bremen betrieben und unterhalten.

Die Cäcilienbrücke wird vom Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Bremen betrieben und unterhalten.
Foto: Anja Michaeli

Morgens fahren mehr Rad- als Autofahrer über die Cäcilienbrücke. Sie könnten bei hochgefahrener Brücke über eine Treppe auf die andere Seite des Küstenkanals gelangen.

Morgens fahren mehr Rad- als Autofahrer über die Cäcilienbrücke. Sie könnten bei hochgefahrener Brücke über eine Treppe auf die andere Seite des Küstenkanals gelangen.
Foto: Anja Michaeli

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