Theater

Staatstheater: „Schönheit“ als wuchtiger Schrei nach Liebe

Gräfin Erzsébet Báthory (Franziska Werner) und ihr Geliebter Akos (Raijko Geith) in Schönheit in der Exerzierhalle des Oldenburgischen Staatstheaters.

Gräfin Erzsébet Báthory (Franziska Werner) und ihr Geliebter Akos (Raijko Geith) in „Schönheit“ in der Exerzierhalle.
Foto: Stephan Walzl

Oldenburg (vs) Wieder einmal ist es die Schauspielerin Franziska Werner bei der der Schlussapplaus des Premieren-Publikums besonders laut wird. Verdient hat sie es allemal. Unrecht wäre es aber, die weiteren Darsteller der knapp zweistündigen Uraufführung von „Schönheit“ unerwähnt zu lassen. Das beeindruckende Spiel um den Schrei nach Liebe der Autorin Nino Haratischwili in der ausverkauften Exerzierhalle des Oldenburgischen Staatstheaters überzeugt und begeisterte die Zuschauer.

Anzeige

Franziska Werner im Blutrausch

Die Inszenierung von Isabel Osthues konzentriert sich im Wesentlichen auf die Hauptdarstellerin, die verwitwete Gräfin Erzsébet Báthory (Franziska Werner) und ihrer Sehnsucht nach Liebe und ewiger Jugend und Schönheit. Da muss ziemlich am Ende des Stückes auch die naive Zofe Csilla (Diana Ebert, schön blond) ihr Leben lassen, damit sich die Gräfin an ihrem jungfräulichen Blut laben kann. Lange muss das Publikum auf diesen elementaren Teil des Stückes warten, denn teils mystisch, teils historisch belegt, ist diese Gräfin mit diesem mörderischen Makel schriftlich dokumentiert. So kommt auch eher zufällig und überraschend der erste tödliche Unfall auf die Bühne.

Im Vordergrund der Inszenierung steht indes die alternde, zynische und mürrische Gräfin, die sich in ihrem Schoss langweilt und aus Freude am Leiden anderer ihre Zofen Aranka (Agnes Kammerer, stark und zerbrechlich zugleich) und Csilla sowie ihren Verwalter Horvat (Matthias Kleinert, herrlich integrand) schikaniert und demütigt. Agnes Kammerer gibt dabei die kesse und starke Dienerin in wechselnder schwarzer Garderobe (Kostüme Mascha Schubert), deren starke Sehnsucht nach Liebe sie aber unterwürfig und hörig werden lässt. Horvart verzehrt sich ebenso nach der Liebe der Gräfin. Geschickt weiß er seine Macht im Rat zugunsten seiner Gräfin einzusetzen und die stolze Edelsfrau mit seinem Wissen um ihr Tun zu erpressen und (vergebens) um ihre Gunst zu buhlen. Ein Intrigenspiel, das Freude macht.

Entbehrung und Eifersucht

Unter dem herrschaftlichen Wunsch nach Jugend und Schönheit muss auch die Zofe Aranka (Agnes Kammerer) leiden.

Unter dem herrschaftlichen Wunsch nach Jugend und Schönheit muss auch die Zofe Aranka (Agnes Kammerer) leiden.
Foto: Stephan Walzl

Erst der unvermittelte Auftritt des jungen und zugleich mysteriösen Schauspielers Akos (Rajko Geith, frisch und frei), der von Horvart eingeladen ist, ein Fest für das untertänige Volk zu bereichern, lässt die Langeweile der Gräfin wie im Fluge verfliegen. Man vergnügt sich ausgiebig lustvoll in dem großen runden Bett, zentral in der Bühnenmitte in rotem Samt platziert. Die gekonnt gestaltete Bühne (Jeremias Böttcher) wird von deckenhohen roten Samtvorhängen in verschiedene Gemächer unterteilt, die durch geschicktes Auf- und Zuziehen die Spielräume präsentieren.

All der Lebensschmerz der Hausherrin ist mit dem Jüngling vergessen. Exzessive Eifersucht und Sehnsucht treibt die Hausherrin nach der überraschen Abreise ihre jungen Geliebten in einen von ihren zahlreichen dramatischen Tobsuchtsanfällen, die Franziska Werner körperlich und stimmlich alles abverlangen.

Dass ein dahergekommener Bursche der starken Gräfin Erzsébet Báthory derart den Kopf verdrehen kann und das weitere Spiel bestimmt, wirkt klischeehaft und ist nur ein kleiner Wermutstropfen der Inszenierung. Der inneren Unzufriedenheit und der damit verbundenen (vergeblichen) Suche nach Liebe und Anerkennung bei allen Personen mehr Gewicht zu schenken, hätte dem Drama zweifelsohne mehr Tiefe verliehen.

Termine und Karten unter www.staatstheater.de und telefonisch unter 0441 / 222 51 11.

Vorheriger Artikel

NDR-Kunstsprechstunde im Stadtmuseum

Nächster Artikel

DLRG fährt 144 Einsätze