Theater

Mudder Mews – ein starkes Stück

Die Premiere von Mudder Mews wurde gefeiert, einem niederdeutschen Stück der August-Hinrichs-Bühne am Oldenburgischen Staatstheater.

Rasch und dramatisch geht es über die Bühne im Kleinen Haus des Staatstheaters.
Foto: Andreas J. Etter

Oldenburg (nb) Am vergangenen Samstag wurde die Premiere von „Mudder Mews“ gefeiert, einem niederdeutschen Stück der August-Hinrichs-Bühne am Oldenburgischen Staatstheater. Uraufgeführt vor über einhundert Jahren, änderte sich nur die Inszenierung, der Inhalt ist seit jeher aktuell.

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Wilhelm lebt mit seiner Frau Elsbe und seinem Bruder Hugo in einer geordneten Unordnung. Wilhelm fährt zur See, Elsbe kümmert sich um die Kinder und Hugo, den sie vom Alkohl abhält. Alles scheint glücklich bis „Mudder Mews“ auftaucht, um bei der Familie Asyl zu suchen. Die alte Dame übernimmt das Regiment des Hauses und mischt sowohl Haushaltsführung und Kindererziehung, als auch die Beziehung zwischen Wilhelm und Elsbe auf. Letztere versucht sich mit der Situation zu arrangieren und sich nicht zu widersetzen, als Mudder Mews sie jedoch beschuldigt, Wilhelm betrogen zu haben, gerät die Situation außer Kontrolle. Durch die gezielten Sticheleien und Anschuldigungen bleibt Elsbe am Ende nur noch der Tod.

Das bekannteste Drama Fritz Stavehagens ist ein Klassiker, die Inszenierung dagegen läuft rasant ab. Der Inhalt selbst könnte ebenso aus der heutigen Zeit stammen. Behandelt wird der Konflikt der Generationen, aber auch festgefahrener Erwartungen. Mudder Mews ist eine Frau, die einem leid tut, weil sie selbst schwere Erfahrungen machte. Auf der anderen Seite ist sie ein Drachen, der die Menschen triezt und manipulieren möchte. Es ist ein Stück starker Frauen – Mudder Mews aus der alten Generation und Elsbe aus der neuen. Als Bindestück ist da Wilhelm, der seiner Mutter folgt. In der heutigen Zeit würde Elsbe wahrscheinlich mit einem Gerichtsbeschluss ihre Kinder nehmen und von dannen ziehen, für die damalige Zeit blieb ihr nichts anderes als zu gehen. Sie sprang ins Wasser und erlag wahrscheinlich einem Herzinfarkt.

Zu loben ist die Präsenz der Darsteller, die auch in ruhigen, stillen Phasen die Bühne füllten. Das Bühnenbild wirkt solch starken Charakteren gegenüber langweilig gestaltet. Etwas mehr wäre zu wünschen gewesen, doch bleibt dies der einzige Kritikpunkt. Das Publikum applaudierte nicht ohne Grund sehr ausgiebig.

„Mudder Mews“ ist kein Stück für Zwischendurch, es gibt einige amüsante Phasen, einige schnelle Übergänge, begleitet von Musik Ina Müllers, jedoch handelt es sich um ein Drama mit identifizierbarer Thematik.

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