Ausstellung

Stadtmuseum: Entwicklung der privaten Gärten

Einfamilienhäuser mit Nutzgärten um 1954.

Einfamilienhäuser mit Nutzgärten um 1954.
Foto: Stadtmuseum

Oldenburg (zb) „Das Leben beginnt an dem Tag, an dem man einen Garten anlegt“, heißt ein chinesisches Sprichwort. Zum Glück stimmt es nicht, gleichwohl sagt es viel über das Privileg eines Gartens aus. Viele Oldenburger sind in Besitz eines eigenen Gartens, weshalb die Stadt sich als „Gartenstadt“ bezeichnet. Was es mit den Gärten auf sich hat, darüber informiert bis zum 31. August die Ausstellung „Oldenburg – Stadt der Gärten“ im Stadtmuseum.

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Gärten, in denen wir uns erholen und vergnügen, gibt es erst seit Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts. Zuvor hatten die Menschen Nutzgärten. Sie dienten allein der Existenz. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Entwicklung der privaten Gärten, von den frühen Bürgergärten bis zur Vielfalt der Moderne.

Wie kaum eine andere Stadt versteht sich Oldenburg seit dem frühen 20. Jahrhundert als „Gartenstadt“. Dieses selbst verliehene Prädikat geht vor allem auf die außergewöhnliche Siedlungsstruktur der Stadt zurück. „Durch eine auffallend hohe Eigenheimquote von über 50 Prozent gibt es eine Fülle privater Haus-, Vor- und Nutzgärten, die zumindest bundesweit ihresgleichen sucht“, erklärt Stadtmuseumsleiter Dr. Andreas von Seggern.

„Die Vielzahl der freistehenden Einfamilienhäuser hat den Ausspruch geprägt, der Oldenburger müsse immer ‚mit der Schubkarre ums Haus‘ können“, sagt Kuratorin Franziska Boegehold und fügt hinzu: „Die Ausstellung nimmt dieses Oldenburger Alleinstellungsmerkmal mit einem Augenzwinkern in ihrer Präsentation auf und zeigt dazu in verschiedenen Themenbeeten Exponate, Bilder und Hörbeiträge zu gärtnerischen Veränderungen der letzten Jahrhunderte.“

Wer die Ausstellung besucht, wird zunächst mit typischen Gartengeräuschen konfrontiert. Von Vogelgezwitscher bis zum Rasenmäher ist uns alles vertraut. Das Thema Garten wird auch erlebbar, wenn Oldenburger von ihren Gärten erzählen. Oder die Besucher gehen in den 800 Quadratmeter großen Museumsgarten mit seinen verschiedenen Skulpturen und Plastiken von renommierten Künstlerinnen und Künstlern wie Butjatha, Waldemar Otto oder Hede Bühl und der sehenswerten Gartengrotte mit Originalmobiliar, die auf den Museumsgründer Theodor Francksen zurückgeht.

Ursprünglich hatte der Garten eine Größe von 2600 Quadratmetern. Dort, wo heute die Autos am Museum vorbeifahren, war einst der Museumsgarten. Ein Großteil fiel der Straßenplanung übrigens erst in den 1960er Jahren zum Opfer, was historische Pläne eindrucksvoll belegen. Dort sind auch die Stadtgärten zu sehen, die ansonsten wenig dokumentiert sind, weil sie kulturell gesehen eher wertlos waren. Wirtschaftliche Nöte und die beiden Kriege verhalfen den Nutzgärten zu enormer Bedeutung. Doch dann setzte sich der Freizeitgarten durch und drängte den Nutzgarten in den Hintergrund. Mit dem Freizeitgarten hielten Gartenzwerge und Hollywoodschaukeln Einzug. Und Grenzkonflikte, das wird deutlich, existieren auch schon eine ganze Weile.

Vor dem Museum befindet sich ein Gemeinschaftsgarten. Das könnte ein neues Modell sein, um möglichst vielen Menschen den Traum vom eigenen Garten zu erfüllen. Gemeinschaftliches Gärtnern wird hier groß geschrieben. Im Oldenburger Stadtteil Kreyenbrück, das zeigt die Schau, dient ein interkultureller Garten zwischen Wohnblocks den Bewohnern als Treffpunkt an der frischen Luft und wird zur Nachahmung empfohlen.

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