Ausstellung

Anna Dorothea Klug: In Ton gebrannte Traumvisionen

Anna Dorothea Klug mit ihren surrealen Keramik-Wesen.

Anna Dorothea Klug mit ihren surrealen Wesen.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Oldenburg (zb) Ein buchstäblich fantastisches Figurenkabinett inszeniert Anna Dorothea Klug im mittelalterlichen Pulverturm in Oldenburg. „Die Welt dahinter“ heißt ihre Ausstellung, die im Rahmen der Ausstellungsreihe „Keramik im Pulverturm“ am Sonntag um 11.15 Uhr eröffnet wird.

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Die Reihe existiert seit 1998 und ist ein Forum der Nachwuchskünstlerförderung der Stadt Oldenburg, das jungen begabten Künstler_innen die Möglichkeit bietet, neue Positionen der Keramik vorzustellen. Anna Dorothea Klug hat in diesem Monat ihr Diplom im Fachbereich Keramik an der Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle gemacht und wurde bereits zuvor schon für ihre experimentelle und innovative Art mit Keramik umzugehen, ausgezeichnet.

Die surrealen Wesen aus Ton tragen Tiere in den Händen oder auf den Schultern und bestechen durch ihre Gefühlsausdrücke. Es sind Gefühle, die der Betrachter beim Blick in die Augen spüren kann. Ihr intensiver Blick überträgt Emotionen. „Die Tonfiguren wirken zudem entrückt und von Unschuld umfangen, so, als seien sie auf dem Grat zwischen Traum und Wirklichkeit erstarrt“, sagt Kuratorin Dr. Sabine Isensee.

Anna Dorothea Klug thematisiert das uralte Beziehungsgeflecht von Mensch und Tier, um Gefühle zu personifizieren. Dabei dient ihr das Tier als Projektionsfläche des Menschen auf der Suche nach sich selbst. „Zu meinen Figuren gibt es konkrete Bilder“, sagt die Künstlerin und erzählt u.a. von einer Freundin, die ihren Hund auf der Schulter trug und von Bilderbüchern aus ihrer Kindheit. In der Ausstellung begegnet der Besucher u.a. Leonie, einem Affenwesen im roten Kleid und geringelten Leggings, Florian in einem rosa T-Shirt, der traumverloren eine Fledermaus in seinen Händen trägt und ein großes hockendes Lama, bei dem eine menschliche Figur Geborgenheit sucht.

Es sind zwei Figuren zu sehen, in deren Leib sich eine menschliche Figur verbirgt. Eine ist sehr versteckt und lässt sich nur durch mehrere kleine Löcher aus verschiedenen Perspektiven entdecken, die andere blickt aus einem großen tierischen Bauch heraus wie ein Tier mit Ausguck. „Für mich bedeutet der Bauch Schutz und Behausung zugleich“, sagt die Künstlerin, die ihre Tonfiguren zunächst zeichnet. Die Leichtigkeit ihrer Zeichnungen versucht sie auf die Figur zu übertragen. Und mehr noch. Mit ihrer Seidenpapiertechnik verleiht sie den Tontieren so etwas wie einen Fellcharakter.

Die in Ton gebrannten Traumvisionen kommen im Ambiente des Pulverturms von 1529 besonders stark zur Geltung. Wer sich die außergewöhnliche Begegnung zwischen Mensch und Tier ansehen möchte, kann das bis zum 7. September freitags von 14 bis 17 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt am Schlosswall.

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